The Pastiche Past. Society, Heritage, and Place in the Premodern Period
Das Buchprojekt bietet eine neue Perspektive auf die Praxis der Wiederverwendung antiker materieller Kultur in der postantiken Welt. Es zeigt, dass sowohl antike als auch mittelalterlich-byzantinische Artefakte von Muslimen wie Christen gleichermaßen wegen ihrer Verkörperung der römischen Vergangenheit geschätzt wurden. Um dies zu zeigen, fokussiert das Projekt auf das Verhältnis zwischen materieller Kultur und Identität sowie zwischen kulturellem Erbe und geografischer Verortung.
In der Vormoderne waren Artefakte sowohl im Osten als auch im Westen eng mit ihrem Herstellungsort verbunden. Man glaubte, dass materielle Kultur denen gehöre, die in den Regionen lebten bzw. über das jeweilige Territorium herrschten, in denen die Objekte gefunden wurden. Diese Verbindung bestand unabhängig von Religion, Sprache oder ethnischer Zugehörigkeit. Doch nach der osmanischen Eroberung des ehemaligen Byzantinischen Reiches begannen christliche Denker, den neuen Herrschern den Besitz des antiken und mittelalterlichen römischen Erbes dieser Regionen abzusprechen. Dieser Wandel ist eng mit der osmanischen Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453 verknüpft. Diese Eroberung markiert das Ende der festen Verbindung zwischen materiellem Kulturerbe und geografischem Ort und leitet ein neues Paradigma ein, in dem kulturelles Erbe beweglicher wurde und die Bindung an physische Orte zurücktrat.
Armin Bergmeier spezialisiert sich auf materielles Kulturerbe des mittelalterlichen östlichen Mittelmeerraums. Seit 2016 lehrte er Kunstgeschichte an der Universität Leipzig (Deutschland) und wurde Anfang 2026 zum Professor für Kunstgeschichte und materielle Kultur an der Universität Passau berufen. Seine Arbeit untersucht Veränderungen und Transformationen über Zeit und Raum hinweg sowie das Verhältnis zwischen materieller Kultur und Ideengeschichte. Er legt besonderen Schwerpunkt auf Fragen von Konnektivität und Transkulturalität. Weitere Forschungsthemen umfassen die Kunst und Kunsthistoriografie in der ehemaligen DDR.
Er war Fulbright-Stipendiat an der Columbia University in New York, Andrew W. Mellon Fellow an der Boğaziçi University in Istanbul und Senior Fellow am Research Center for Anatolian Civilizations in Istanbul. Weitere Stipendien führten ihn an das Centro Tedesco di Studi Veneziani in Venedig sowie an das Kunsthistorische Institut in Florenz.
Seine Forschung wurde unter anderem in Speculum, Gesta, dem Journal of Late Antiquity, den Mitteilungen des Kunsthistorischen Institutes in Florenz sowie im Journal of the Warburg and Courtauld Institutes veröffentlicht. Sein erstes Buch widmete sich der Kulturgeschichte göttlicher Visionen im spätantiken Mittelmeerraum, und zwei jüngere von ihm (mit-)herausgegebene Bände befassen sich mit den Themen Time and Presence in Art (2022) sowie The Spoliated Past: Heritage, Antiquarianism, and Byzantine Material Culture across Time and Space (2025).
This talk explores the potential of critical heritage studies to question ownership and the relationship between identity and material culture in the premodern Mediterranean as well as alternative ways of conceiving of heritage linked to place and geography.