Daniel Binswanger Friedman
Fulbright/IFK_Junior Fellow


Zeitraum des Fellowships:
01. Oktober 2021 bis 30. Juni 2022

Daniel Binswanger Friedman

PROJEKTTITEL

Ungerade Rede. Beschreibungen in der österreichischen Nachkriegsprosa



PROJEKTBESCHREIBUNG

Die österreichische Nachkriegszeit war komplex und widerspruchsreich. In seiner Dissertation untersucht Binswanger Friedman, wie Werke österreichischer Prosa-Autor*innen aus der frühen Nachkriegszeit mit den Phänomenen literarische Beschreibung und indirekte Rede experimentieren, um wesentliche sozialpolitische Fragen anzusprechen. Beschreibung und indirekte Rede sind wichtige umstrittene Begriffe in verschiedenen Disziplinen und theoretischen Schulen, denn sie verweisen auf einen Raum, in dem sich geschriebene Texte, Äußerungen und subjektive Erfahrungen überschneiden. Sein Projekt betrachtet diese literarischen Verfahren als formale Mittel, die komplexe Konstellationen sozialer Verhältnisse in sich tragen, um dadurch grundlegende Nachkriegsthemen wie Verantwortung, Erinnerung und Zeugenschaft zu problematisieren. Dies wird in Werken österreichischer Autor*innen aus unterschiedlichen Erfahrungsperspektiven und diversen literarischen Traditionen untersucht – u. a. in Werken von Christine Lavant, Ilse Aichinger, Friederike Mayröcker, Marlen Haushofer und Thomas Bernhard.



CV

Daniel Binswanger Friedman ist Ph.D.-Student der German Studies an der Cornell University (NY, USA) mit den Forschungsschwerpunkten deutschsprachige Literatur des 20. Jahrhunderts, insbesondere österreichische Nachkriegsliteratur, Sprachphilosophie und russischer Formalismus. Seine Dissertation untersucht die formal-ästhetischen Funktionen und sozialpolitischen Dimensionen von Beschreibung und indirekter Rede in Prosawerken der frühen österreichischen Nachkriegszeit. Vor dem Ph.D.-Studium hat er Philosophie, Mathematik und kreatives Schreiben studiert; 2014–2017 war er Fulbright- und DAAD-Stipendiat in Wien und Berlin.



Publikationen

Als Übersetzer: »Logical Empiricism«, in: Rob McFarland, Georg Spitaler, Ingo Zechner (Hg.), The Red Vienna Sourcebook, New York 2020, pp. 91–112; »BWV 910–916«, in: Triëdere – Zeitschrift für Theorie, Literatur und Kunst (Vol. 21), Vienna 2020, pp. 35–36; als Übersetzer: »Deaestheticization«, in: Timon Beyes und Jörg Metelmann (Hg.), The Creativity Complex, Bielefeld 2018, pp. 114–119.

24
Januar
2022
18:15
  • Lecture
IFK; IFK@Zoom
Daniel Binswanger Friedman

 

1930 bezeichnet der sowjetische Semiotiker Walentin Woloschinow die indirekte Rede als »Rede in Rede ... und gleichzeitig Rede von Rede«. In diesem Vortrag wird die indirekte Rede als literarisches und formales Verfahren betrachtet, mithilfe dessen österreichische Autor*innen grundlegende sozialpolitische Fragen der Nachkriegszeit aufwerfen.

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