Doris Bachmann-Medick
IFK_Senior Fellow


Zeitraum des Fellowships:
01. Oktober 2021 bis 31. Januar 2022

Doris Bachmann-Medick

PROJEKTTITEL

Gesellschaft als Übersetzung



PROJEKTBESCHREIBUNG

Bachmann-Medicks Projekt arbeitet Ansätze der kulturwissenschaftlichen Übersetzungsforschung auf einer umfassenderen Ebene weiter aus: Entwickelt wird eine Neusicht von Gesellschaft als Übersetzungszusammenhang. Ausgangspunkt sind gesellschaftliche Schlüsselszenarien (Migration, Menschenrechtskontroversen, transkulturelle Kontakte, Disziplinenverflechtungen, Wechselbeziehungen von Wissenschaft und Kunst – insgesamt soziale »trading zones«). Übergänge, Bruchzonen und Kontextwechsel fordern hier Übersetzung als Analysekategorie heraus, aber auch als Handlungskategorie. Als gesellschaftskonstituierende Praxis ist Übersetzung erst über ein erweitertes, mehrpoliges Verständnis zu entfalten. Übersetzungsprozesse werden daraufhin untersucht, wie sie über den Rückbezug auf ein »Original« hinaus weiterführende gesellschafts- und handlungsorientierende Referenzbezüge eröffnen. Wird Übersetzung in der Gegenwart als Reflexionskategorie und Handlungsmodus gesellschaftlicher Vermittlungsverhältnisse unverzichtbar?



CV

Doris Bachmann-Medick ist Literatur- und Kulturwissenschafterin und Senior Research Fellow am International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) der Universität Gießen. Gastprofessuren hatte sie unter anderem an den Universitäten Graz, Göttingen, UC Irvine, Cincinnati, Georgetown University/Washington, D.C., inne. Ihre Forschungsgebiete sind Kulturtheorie, Kulturwissenschaften, Literarische Anthropologie und Translation Studies.



Publikationen

gem. mit Jens Kugele und Ansgar Nünning (Hg.), Futures of the Study of Culture. Interdisciplinary Perspectives, Global Challenges, Berlin, Boston 2020 (Druckausgabe und Open Access); gem. mit Jens Kugele (Hg.), Migration. Changing Concepts, Critical Approaches, Berlin, Boston 2018; Cultural Turns. Neuorientierungen in den Kulturwissenschaften, 6. Aufl., Reinbek 2018 (engl. Cultural Turns. New Orientations in the Study of Culture, Berlin, Boston 2016; polnisch 2012; russisch 2017; koreanisch in Vorbereitung).

08
November
2021
18:15
  • Lecture
IFK; IFK@Zoom
Doris Bachmann-Medick

Gesellschaft lebt von Übersetzungsvorgängen. Nicht nur von Sprach- und Textübersetzung, sondern vor allem von sozialer und kultureller Übersetzung. Doch müsste hier nicht ein neues Übersetzungsverständnis entwickelt werden, das der traditionellen Zweipoligkeit entgegensteht und neue Handlungsmöglichkeiten freisetzt?

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Doris Bachmann-Medick
IFK_Research Fellow


Zeitraum des Fellowships:
01. Oktober 2005 bis 31. Januar 2006

Doris Bachmann-Medick

PROJEKTTITEL

Cultural Turns. Neuorientierungen in den Kulturwissenschaften



PROJEKTBESCHREIBUNG

Für die Entwicklung der gegenwärtigen Kulturwissenschaften ist nicht allein die "Meistererzählung" eines cultural turn in den Geistes- und Sozialwissenschaften entscheidend, die schon viel zu lange im Bann eines übermächtigen linguistic turn verharrt. Vielmehr ist es gerade der Wechsel verschiedener Neuorientierungen, der neue disziplinenübergreifende Fokussierungen der Forschung ausgelöst und anregende Untersuchungsperspektiven freigelegt hat: interpretive turn, performative turn, reflexive turn, postcolonial turn, translational turn, pictorial/iconic turn, spatial turn, biological turn. Diese "Wenden" werden oft als intellektuelle Moden verpönt oder aber als Paradigmen überhöht. Doch ihr Potenzial liegt in ihren methodischen Anstößen und ihrer Veränderung der Blickwinkel. Ihre konzeptuellen Möglichkeiten wie ihre pragmatischen Anwendungsfelder ziehen sich quer durch das Spektrum der kulturwissenschaftlichen Disziplinen hindurch. Auf diese Zusammenhänge richtet sich das Projekt nicht etwa durch retrospektive Forschungssynthesen, sondern durch die Untersuchung ihrer Impulse für eine methodische Weiterprofilierung der Kulturwissenschaften: für Analyseperspektiven jenseits der bisher überstrapazierten Erschließung neuer Gegenstandsfelder. Bieten die turns Ansätze, um von der Gegenstands- und Themenfixierung der Kulturwissenschaften wegzukommen und eher die Ausbildung neuer Deutungsmuster, Untersuchungsansätze, Analysekategorien und kritisch reflektierter Begriffssysteme voranzutreiben? Hier zielt das Projekt zunächst darauf, Gelenkstellen zwischen den Disziplinen auszuloten, um dann aber auch eine systematische interkulturelle Erweiterung der Kulturwissenschaften voranzubringen. Sein Beitrag zur Grundlagenreflexion der Kulturwissenschaften könnte in dem Versuch bestehen, ausgehend von den kulturwissenschaftlichen Richtungswechseln systematischere Bezugsebenen für eine kulturenübergreifende Forschung zu gewinnen. Von hier aus könnte es den Kulturwissenschaften vielleicht gelingen, sich noch stärker komparatistisch zu öffnen, ja global und "zwischen den Kulturen" anschlussfähiger zu werden, ohne ihre europäisch geprägten Kategorien und Theoriebildungen universalisieren zu müssen.



CV

Literatur- und Kulturwissenschafterin in Göttingen und an der FU Berlin



Publikationen

Neueste Bücher: (Hg.), Kultur als Text. Die anthropologische Wende in der Literaturwissenschaft, 2. akt. Auflage, Tübingen 2004; Cultural Turns. Neuorientierungen in den Kulturwissenschaften, Reinbek 2006 [in Vorbereitung].