Eva Tropper
ifk Junior Fellow


Zeitraum des Fellowships:
01. Oktober 2004 bis 30. Juni 2005

Stadt im Medium Ansichtskarte: zwischen Lokalität und Globalität



PROJEKTBESCHREIBUNG

Ansichtskarten waren das erste globale Bildmedium: Mit einheitlichem Format, normiertem Porto und standardisiertem Raum für Mitteilungen haben sie entscheidend zu einer weltweiten Vereinheitlichung von Kommunikation beigetragen. Zugleich aber sind topographische Ansichtskarten ein lokales Medium: Die Illustration auf der Vorderseite zeigt einen ganz bestimmten Ort, und die Karte ist auch nur an diesem Ort und nirgendwo sonst zu kaufen. Insofern haben Ansichtskarten bei der Herausbildung visueller Stadt-Images eine besondere Funktion: Sie bieten einen universellen Referenzrahmen, der gerade das Besondere transportieren soll – sie verorten das Lokale auf einer Ebene globaler Vergleichbarkeit.

Wenn nun eine zunehmende Spezifizierung von Stadt-Images feststellbar ist, so ist auch nach dem Platz der Ansichtskarte in diesem Prozeß zu fragen. Am Beispiel Graz wird deutlich, wie das Bild der Stadt im Medium Ansichtskarte eine massive Vereinheitlichung erfahren hat. Während die frühen, verblüffend heterogenen Bilder die Stadt keineswegs nur nach Maßgabe des "Typischen" aufbereiten, steht am Ende der Entwicklung eine strenge Reduktion auf das Ortsspezifische, das eine unmittelbare Wiedererkennbarkeit garantiert. Auf der Folie des Globalisierungsprozesses betrachtet, erscheint diese Verdichtung des Stadt-Images als Teil jener Dialektik, die Roland Robertson mit dem Begriff der "Glokalisierung" faßt: Globalisierung geht demnach immer auch mit Relokalisierungen einher. Diese sind aber nicht als Verteidigung "authentischer" und "homogener" Lokalkultur zu verstehen, sondern tragen vielmehr zu deren Konstruktion bei. Inwiefern diese Dialektik im Medium Ansichtskarte besonders greifbar wird – und was ihre historischen Konjunkturen sind –, ist die zentrale Fragestellung des Projekts: Eine Analyse des Motiveschwunds, der Hierarchisierung und Entortung des Stadtraums auf Ansichtskarten kann daher nur mit Blick auf globale Kulturindustrien und Bildwelten erfolgen.



CV

Mag. phil., Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geschichte der Universität Graz, studierte Geschichte und Romanistik an der Universität Graz



Publikationen

Kritik des Faktischen. Roland Barthes’ Problematisierung von (historischer) Wirklichkeit im Medium Fotografie, Graz 2001; Das Medium Ansichtskarte und die Genese von Kulturerbe. Eine visuelle Spurenlese am Beispiel der Stadt Graz, in: Moritz Csáky, Monika Sommer (Hg.), Kulturerbe. Repräsentation, Fabrikation, Vermarktung, Wien 2004 (im Erscheinen)