Mariya Donska
ifk Research Fellow


Zeitraum des Fellowships:
01. März 2026 bis 30. Juni 2026

Transition als Translation. Dekolonisierung und Mehrsprachigkeit in osteuropäischen Kulturen



PROJEKTBESCHREIBUNG

Im Jahr 2012 charakterisierte die Literaturwissenschaftlerin Tamara Hundorova die ukrainische Kultur als »tranzytna kul’tura« (Transitkultur). Die Transition umfasst verschiedene Phänomene, darunter die Stärkung des Ukrainischen als »Sprache des Widerstands«, die intertextuelle Wiederaneignung des kulturellen Gedächtnisses, die Dekolonisierung von Ortsnamen oder (Selbst-)Übersetzungspraktiken, die sich nach der russischen Invasion in die Ukraine intensiviert haben. Vor dem Hintergrund der ukrainischen postkolonialen Theorie konzentriert sich dieses Projekt auf Autor*innen aus der Ukraine, nämlich Borys Khersons’kyj, Ija Kiva und Oleksandr Averbuch. Diese Autor*innen befinden sich in einem vielschichtigen Prozess des Sprachwandels und der (erzwungenen) Migration. Das Projekt untersucht ihre Selbstübersetzungspraktiken und ihre Mehrsprachigkeit anhand von Textanalysen und problemorientierten Interviews. Es konzeptualisiert ihren Wandel im Rahmen von »postmonolingual condition« (Yildiz) und interpretiert ihn als eine Form der kulturellen Übersetzung (Bachmann-Medick) sowie als Ausdruck des dekolonialen Widerstands.



CV

Mariya Donska ist Literatur- und Kulturwissenschaftlerin an der Universität Graz. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören ukrainische, polnische, belarusische Gegenwartslyrik, Intertextualität, Dekolonisierung und Praxeologie. Sie unterrichtet außerdem Ukrainisch als Fremdsprache an der Universität Graz und hat diesen Kurs 2022 mit tatkräftiger Unterstützung des Instituts für Slawistik ins Leben gerufen. Sie hat klassische Philologie und Ukrainisch in Charkiw, Komparatistik in München, Gräzistik und Slawistik in Graz studiert sowie an der Universität Salzburg promoviert.

Mariya Donska wurde zweimal mit dem Ingeborg-Ohnheiser-Preis der Österreichischen Gesellschaft für Slawistik ausgezeichnet. Im Wintersemester 2024/25 war sie Visiting Fellow an der Ukrainistik an der Universität Cambridge. Ab 2026 leitet sie ein von der Gerda Henkel Stiftung gefördertes Drittmittelprojekt mit dem Titel »Voices of Resilience: Exploring Agency in Contemporary Slavic Poetry«.



Publikationen

»Abrykosy i Rozy: Reimagining Donbas as a Greenscape?«, in: Welt der Slaven, 2026 [in Vorbereitung].

»›A perad hėtym… a paslia‹: Time Gaps and Time Ruptures in Ukrainian and Belarusian Poetry since 2014«, in: Alexander Wöll und Bohdan Tokarskyi (Hg.), Time Out of Joint: Literary (Re)Visions of Time in Eastern and Central Europe, London: Routledge 2026 [im Druck].

»›Nadi mnoju letyt’ Tat’jana Tolstaja‹: Textinterne Mehrsprachigkeit in der zeitgenössischen ukrainischen Lyrik«, in: Anja Burghardt und Eva Hausbacher (Hg.), Vielsprachigkeit der Sprache. Mehrsprachigkeit in den slavischen Literaturen, Tübingen: Narr Franck Attempo, S 163–190.

»Ukrainische Gegenwartslyrik nach 1991: eine Annäherung«, in: Peter Deutschmann, Michael Moser, Alois Woldan (Hg.), Die Ukraine – Vom Rand ins Zentrum, Berlin: Frank & Timme 2024, S 149–165, doi.org/10.57088/978-3-7329-8930-0_8.

»Dekonstruktion eines imperialen Denkmals: Pam’’jatnyk von Jurij Andruchovyč im Kontext der intertextuellen Exegi monumentum-Tradition«, in: Anzeiger für Slavische Philologie L (2022), 39–74, doi.org/10.36208/AnzSlPh50202204.

27 April 2026
18:15
  • Lecture
ifk Arkade
Mariya Donska

Transition als Translation. Oleksandr Averbuchs dekoloniale Praktiken

Die Lecture widmet sich den dekolonialen Praktiken Oleksandr Averbuchs, der als Autor, Übersetzer und Wissenschaftler Transitionen durchläuft, Zwischenräume und Verflechtungen schafft: vom Russischen hin zum Ukrainischen und zu intern mehrsprachigen Texten, zwischen Ländern und (Kultur-)Räumen sowie zwischen fiktionalem und dokumentarischem Schreiben.

>