Matthäus Rest
IFK_Research Fellow


Zeitraum des Fellowships:
01. März 2021 bis 30. Juni 2021

Matthäus Rest

PROJEKTTITEL

Geronnene Milch: alte DNA, Milchsäurebakterien und das Archiv des Lebens selbst



PROJEKTBESCHREIBUNG

„Geronnene Milch“ versucht eine Anthropologie der Milch über Eurasien und über die Zeitalter hinweg. Das Projekt versteht Milch als Medium, um Beziehungsgeschichten zwischen Spezies und verschiedenen zeitlichen Horizonten zu schreiben. Es beruht auf meiner fortlaufenden Feldforschung in einem interdisziplinären Team von ArchäologInnen, die die Frühgeschichte der Milch erforschen. Aus ihrer Arbeit schöpfe ich mein Hauptargument: Die Fähigkeit, alte DNA zu lesen, hat archäologische Funde in ein Archiv des Lebens selbst verwandelt. Das wiederum ermöglicht eine anthropologische Untersuchung der Biologie der Geschichte – wie menschliche Interventionen den genetischen Code verändert haben. Aber um wissenschaftliche Thesen über die Vergangenheit aufstellen zu können, brauchen meine KollegInnen zeitgenössische Proben, die ich bei BäuerInnen in der Mongolei, in Jordanien und den Alpen sammle. Meine Feldforschung mit ihnen soll dazu beitragen, dass ihre Multi-Spezies-Fermentationskollektive weiterhin bestehen.

 



CV

Matthäus Rest ist Anthropologe und Bauer. Er interessiert sich für die Beziehung zwischen Umwelt, Ökonomie und Zeit. Seine Doktorarbeit handelt von einem Staudamm in Nepal, der 30 Jahre lang immer wieder nicht gebaut wurde. Er arbeitet am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena, wo er in einem interdisziplinären Team von ArchäologInnen zur Beziehungsgeschichte von Menschen, Wiederkäuern und Milchsäurebakterien forscht.



Publikationen

with Salla Sariola and Charlotte Brives (eds.), With Microbes: Ethnographies, London 2021, “Dreaming of Pipes. Kathmandu’s Long-Delayed Melamchi Water Supply Project, Environment and Planning C,” in: Politics and Space 37.7 (2019): p. 1198–1216; with Alessandro Rippa, “Road Animism: Reflections on the Life of Infrastructures,” in: HAU: Journal of Ethnographic Theory 9.2 (2019): p. 373–389; with Gertraud Seiser (eds.), Wild und Schön. Der Krampus im Salzburger Land, Vienna 2016.



28
Juni
2021
18:15 - 20:00
  • Lecture
IFK@Zoom
Matthäus Rest

Genforschung macht alte DNA lesbar und zum Archiv für Perioden ohne schriftliche Quellen. Viele ForscherInnen knüpfen daran die Hoffnung auf eine exakte Geschichtswissenschaft. Doch die Ergebnisse erinnern an konventionelle Geschichts-Erzählungen: Völkerwanderungen, Kriege, Pandemien. Bietet die Archäologie der Milchsäurebakterien einen Ausweg?

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