Wolfgang Hottner
IFK_Research Fellow


Zeitraum des Fellowships:
01. März 2021 bis 30. Juni 2021

Wolfgang Hottner

PROJEKTTITEL

Einsprüche. Geschichte und Theorie interventionistischen Übersetzens



PROJEKTBESCHREIBUNG

Das Forschungsprojekt beschäftigt sich mit interventionistischen, polemischen und extremen Formen literarischer Übersetzung. Anhand von Fallbeispielen aus verschiedenen Epochen soll ein Verständnis von Übersetzung konturiert werden, welches nicht so sehr auf Wiedergabe und Vermittlung abzielt, sondern auf die Korrosion der eigenen Sprache. Übersetzen wird dabei als provokative Praxis verstanden, die sich gegen sprachliche und kulturelle Universalismen und einen ontologischen Nationalismus in Stellung bringen lässt. Im Zentrum des Projekts stehen neben den Übersetzungen George Eliots, Walter Benjamins und Michel Foucaults vor allem Johann Jakob Bodmers Übertragungen von John Miltons Sündenfall-Epos Paradise Lost. Der „Ungehorsam des Menschen“, von dem Milton erzählt, wird für Bodmer zum Leitbegriff einer aufrührerischen übersetzerischen Praxis. Bodmers Milton-Übersetzungen erweisen sich dabei nicht nur als maßgeblicher Katalysator in der Modernisierung deutschsprachiger Dichtung, sondern auch als Urszene eines Übersetzungskonzeptes, das die scheinbare Identität der eigenen Sprache infrage zu stellen versucht.



CV

Wolfgang Hottner studierte Literaturwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte in München, Berkeley und Yale und ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der FU Berlin. Er promovierte 2017 mit einer Arbeit über die Ästhetik und Poetik des Anorganischen im späten 18. Jahrhundert an der Humboldt-Universität zu Berlin. Als Gastwissenschafter war er 2019 an der Universität Tokio und 2020 an der Södertörns Högskola in Stockholm. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen Fragen der Ästhetik und der Wissensgeschichte, Übersetzungstheorie sowie Literaturtheorie. Zurzeit habilitiert er zur Geschichte und Theorie des Reims in der Moderne.



Publikationen

Kristallisationen. Ästhetik und Poetik des Anorganischen im späten 18. Jahrhundert, Göttingen 2020; „Im Bergwald. Walter Benjamins Polemik gegen Stefan George in der ‚Aufgabe des Übersetzers‘“, in: Weimarer Beiträge 66 (2020), S. 421–440;  (Hg.), Hélène Cixous, Die meineidige Stadt oder Das Erwachen der Erinyen, übersetzt von Esther von der Osten, Berlin 2020.



17
März
2021
18:15 - 20:00
  • Lecture
IFK@Zoom
Wolfgang Hottner

Die Modernisierung der deutschsprachigen Literatur im frühen 18. Jahrhundert verdankt sich zu großen Teilen Johann Jakob Bodmers Übersetzung von John Miltons Epos „Paradise Lost“. Der Vortrag untersucht, wie diese Prosaübersetzung eines englischen Epos über den Sündenfall des Menschen in Prosa eine derartige Wirkung entfalten konnte.

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