Call for papers: Der assistierte Suizid

 

Prof. Dr. phil. Claudia Bozzaro
Prof. Dr. phil., dipl. biol. Christoph Rehmann-Sutter
Gesine Richter MA, MBA
Institut für Experimentelle Medizin, Arbeitsbereich Medizinethik, Christan-Albrechts-Universität Kiel
In Kooperation mit dem Ins%tut für Medizingeschichte und Wissenschaftsforschung der Universität zu Lübeck Gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung

Die Klausurwoche

Der assistierte Suizid wird zunehmend als Form eines selbstbestimmten Sterbens gesellschaftlich diskutiert und praktiziert. Höchstrichterliche Entscheidungen in Deutschland und Österreich, die Zunahme des assistierten Suizids in der Schweiz und die sich in allen drei Ländern zeigende zunehmende gesellschaftliche Akzeptanz des assistierten Suizids fokussieren auf die Frage, wie die Inanspruchnahme dieses Rechtes konkret ermöglicht, also juristsch geregelt und in der Praxis gelebt werden soll und kann. Vor dem Hintergrund unterschiedlicher Regelungen und Erfahrungen, werden gegenwärtig in den drei Ländern ähnliche Fragestellungen diskutiert, beispielsweise die Frage nach der Beteiligung der Ärzteschaft, nach den zu erfüllenden Kriterien für eine Zulassung zum assistierten Suizid, nach staatlichen Schutzpflichten gegenüber individuellen Freiheitsrechten oder nach Schutzrechten vulnerabler Personengruppen.

Diese internatonale und interdisziplinäre Klausurwoche zielt darauf ab, durch einen Ländervergleich die jeweiligen soziokulturellen, historischen, religiösen und rechtlichen Hintergründe, sowie deren Bedeutung für die aktuelle Diskussion, Gesetzgebung und Praxis zu beleuchtet. Zum anderen sollen neue Aspekte und Fragestellungen sowie prozedurale Herausforderungen identifiziert werden, welche bei den aktuell geforderten gesetzlichen Neuregelungen des assistierten Suizids und längerfristig bei der praktischen Umsetzung berücksichtigt werden sollten, um eine gute Versorgung am Lebensende, u.a. eine gute Praxis im Umgang mit dem assistierten Suizid, zu etablieren.

Die Forschungsfragen

Beiträge sind besonders zu folgenden Aspekten (aus länderspezifischer Sicht) erwünscht: a) Vergleich bestehender und diskutierter Praktiken:

• Rolle der Ärzteschaft, Pflegefachkräfte und Sterbehilfeorganisationen

  • Was wissen wir über die Menschen, die assistierten Suizid in Anspruch genommen haben? Welche Beweggründe sind bekannt?

  • Was wissen wir über den Umgang ihrer Angehörigen mit dieser Erfahrung?

  • Gibt es einen - vielleicht sogar - empirisch belegten Zusammenhang zwischen Suizidwünschen und -

    handlungen und dem Vorhandensein legaler (Organisationen zur) Suizidbeihilfe bzw. entsprechen-

    der Gesetzesvorgaben?

  • Position der Bevölkerung, einzelner Berufsgruppen und Organisationen

    b) Soziokulturelle Aspekte: Besonderheiten in der Ausgestaltung der Diskussionen und der Praktiken des assistierten Suizids vor dem Hintergrund unterschiedlicher soziokultureller, religiöser, historischer und poli%scher Prägungen:

    • Was wird in den öffentlichen Diskursen offen thematisiert, was tabuisiert?

    • Positionen der Ärzteschaft, der Pflegefachkräfte, religiöser Gruppierungen, der Politik?

    • Darstellung und Kommentierung des assistierten Suizids in Medien und Kunst

    • Bedeutung der Diskussionen und Praktiken der jeweiligen Nachbarländer

      c) Normative Aspekte: Ethische und rechtliche Analysen sowie soziologische Beobachtungen zu gesellschaft- lich verankerten normativen Vorstellungen von einem guten Sterben:

    • Bindung des assistierten Suizids an Sorgfaltskriterien (terminale Erkrankung, unerträgliches Leiden)

    • Welche Funktionen haben Suizidhandlungen für das Selbstkonzept der suizidalen Person?

      Lassen sich Sterbewünsche ausreichend verlässlich bestimmen und mit Blick auf Suizidalität

      voneinander unterscheiden?

    • Welche Rolle spielen – individuelle wie kulturdominante – ethische und/oder religiöse Deutungs-

      muster bei der Artilulaton von Sterbewünschen?

    • Rolle des Gesundheitspersonals, insbesondere der Ärzteschaft

    • Sterbewünschen gesunder Menschen

    • Sterbewünschen vulnerabler Personengruppen

    • Assis%erte Suizid im Strafvollzug

    • Verhinderung von Missbrauch

      Das Programm

      Die Klausurwoche zu diesem wissenschaftlich wie regulatorisch drängenden Thema bietet Nachwuchswis- senschafterInnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die Möglichkeit, sich zukuntsorientert un- tereinander, mit einflussreichen Experten, international wie interdisziplinär zu vernetzen und weiter zu qualifizieren.

      Natonale und internationale Experten verschiedener Fachgebiete werden zu einem internationalen Vergleich und transdisziplinären Diskurs anregen und in Impuls-Referaten Teilaspekte des jeweiligen Tagesthemas in- terdisziplinär vertiefen und auf die Präsentation der Thesenpapiere der Teilnehmer hinführen.
      Die Klausurwoche findet direkt an der Ostsee in Kiel statt und vereint ein reichhaltiges wissenschatliches Programm mit dem Besuch einschlägiger Forschungseinrichtungen sowie sozialen und kulturellen Events.

Die Referenten

Prof. Tatjana Hörnle

Max-Planck-Ins7tut zur Erforschung von Kriminalität, Sicherheit und Recht, Freiburg i. Br., Juristschen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin
Ins7tut des Humanités en Médecine, Einheit für Klinische Ethik, Universität Lausanne Ins7tut für Systematische Theologie, Universität Berni

Abteilung für Kinder- und Jugend-Psychiatrie, Universität Wien Ins7tut für Sozialethik, Universität Zürich

Prof. Ralf J. Jox
Prof. Frank Mathwig
Prof. Paul Plener
Dr. Nina Streeck
Weitere Referenten sind angefragt.

Die Teilnahme

Die Anzahl der Teilnehmerplätze ist auf 15 begrenzt. Die Konferenzsprache ist Deutsch. Die Kosten für Reise und Unterkunft werden übernommen. Darüber hinaus erhalten alle ausgewählten Teilnehmenden eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 300€, sofern sie einen Beitrag für den im Anschluss veröffentlichten Sammelband einreichen.

Interessierte NachwuchswissenschatlerInnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz aus verschiedenen Disziplinen, v.a. Medizin, Ethik, Sozialwissenschaften, Philosophie, Theologie, Pflegewissenschaft, Rechtswissenschaft, Kultur- und Kunstwissenschaften werden eingeladen, ein wissenschaftliches Abstract (max. 250 Wörter) sowie einen kurzen CV ausschließlich in elektronischer Form (PDF) per E-Mail bis 21. Februar 2022 an gesine.richter@iem.uni-kiel.de (re: Klausurwoche) zu senden.