Jan Fellerer (Oxford, Wien): Slavisches Seminar, Universität Zürich

 

Kolloquium Slavistische Linguistik (online)

 Jan Fellerer (Oxford, Wien):

 Sprachinterner vs. kontaktbedingter morphosyntaktischer Wandel: Das ‘Genus virile’ im polnisch-ukrainischen Sprachkontakt

Einer der zahlreichen morpho-syntaktischen Eigenheiten der sog. östlichen ‘Randdialekte’ des Polnischen (‘polszczyzna kresowa’) besteht darin, dass die Flexion der maskulinen Substantive im Unterschied zum Standardpolnischen kein ‘Genus virile’ unterscheidet. Zugleich bleibt aber auch in diesen Dialekten die allgemeinpolnische Kategorie der Belebtheit weiterhin intakt. Dies entspricht den grammatikalischen Gegebenheiten der unmittelbar benachbarten ostslavischen Sprachen, insbesondere des Ukrainischen. Der sich anbietende Schluss, die Erosion des ‘Genus virile’ im (süd)östlichen ‘Randpolnischen’ als Ukrainismus zu verstehen, erweist sich allerdings als vorschnell, weil ähnliche Erscheinungen auch in anderen polnischen Dialekten zu beobachten sind, und weil die Belebtheitskategorie im ‘Randpolnischen’ im Detail anders ausgestaltet ist als im Ukrainischen. Der Vortrag geht daher der Frage nach, ob die spezielle Entwicklung des ‘Genus virile’ im ‘Randpolnischen’ letztlich als dialektinterner oder doch als kontaktbedingter morpho-syntaktischer Wandel zu verstehen ist.

 Jan Fellerer hat Slawistik in Wien und Basel studiert. Er ist associate professor am Wolfson College der Universität Oxford und derzeit als Fellow des Internationalen Forschungszentrums Kulturwissenschaften in Wien tätig. Seine Forschungsschwerunkte liegen insbesondere auf der Geschichte und Struktur der west- und ostslawischen Sprachen.

 

Mittwoch, 19. Mai, 16:00–17:30

 

Gäste sind herzlich willkommen. Ein Zoom-Link wird auf Anfrage (s. Kontakt) gerne zur Verfügung gestellt.

 

Kontakt: dolores.lemmenmeier@uzh.ch, florian.wandl@uzh.ch