19
Januar
2022
  • Lecture Series
IFK; IFK@Zoom
Susanne Ristow

»When too perfect, dann lieber Gott böse«. Kulturvirologische Betrachtungen zur künstlerischen Sprache der Fluxus-Akteur*innen

18:15
Susanne Ristow

 

Spezifische künstlerische Methoden und Ausdrucksmöglichkeiten der 1960er-Jahre werden nach den Erkenntnissen der »Kulturvirologie« erst vor dem Hintergrund neuer, physikalisch und biologisch inspirierter Interaktionsmodelle nach dem »Prinzip Virus« denkbar, die ihre Entsprechung in Mikrobiologie, Ökologie und biologischer Strukturkoppelung finden.

 

Künstler*innen mit interkulturellem und partizipativem Potenzial wie Benjamin Patterson,Nam June Paik oder Yoko Ono dürfen als spezifische menschliche Überträger*innen akustischer Fluxus-Viren angenommen werden, gegen die als Immunantwort des dominanten westlichen Kunstsystems seinerzeit noch keine ausreichend starken Abwehrkräfte entwickelt werden. Durch den Zweiten Weltkrieg befindet sich seinerzeit das kulturelle Informationssystem des Westens, metaphorisch gesprochen, in der Situation eines Transplantationspatienten, dessen Körper nur durch die Einnahme von immunsuppressiven Medikamenten von der Akzeptanz eines »fremden« neuen Organs überzeugt werden kann. Dies mag einer der historischen Gründe sein, warum gerade in den 1960er-Jahren in der westlichen Welt eine besondere Vielfalt künstlerischer und gesellschaftlicher Innovationen aufkommt und breitenwirksam wird und »Diversität« zum Paradigma der politischen Kultur der Gegenwart aufsteigen kann. Am Beispiel der viralen Praxis einer Auswahl intermedialer Fluxus-Werke wird die Weitergabe von Dada-Mikroben und Fluxus-Viren an Punk und digitale Partizipationskultur vorgestellt und ein aktueller Ausblick auf Prozesse der Viralität jenseits der Pandemie gewagt.

 

 

Susanne Ristow ist eine interdisziplinär tätige Künstlerin, Museologin und Medienwissenschafterin. Zeichnung, Grafik, Malerei, Video, Performance, Installation, Skulptur, Artistic Research – sie selbst fasst alle Disziplinen zu dem Begriff BILDNEREI zusammen. Die Düsseldorfer Künstlerin ist weltweit nicht nur mit Ausstellungsprojekten präsent, sondern auch als leidenschaftliche Kunstvermittlerin. In großen Zeichenzyklen wie der Agitatorischen Zeichnung, den Einsamen Helden, dem Adonis Depot, InfectiousBasterds, Viral Love oder Trickster erprobt sie die infektiösen wie partizipativen Möglichkeiten von Bildern, Texten und Aktionen im öffentlichen Raum. In Performancevorträgen zur »Kulturvirologie« entwickelt sie mithilfe der Denkfigur des Virus komplexe Zusammenhänge zwischen Kunst und Wissenschaft.

 

Ort: IFK; IFK@Zoom

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