13 März 2023
  • Lecture
IFK & IFK@Zoom

Walter Benjamin sammelt Postkarten

18:15

Walter Benjamin war ein Sammler. Seine Leidenschaft für Bücher wie für Spielzeug ist bekannt, aber er interessierte sich auch für Postkarten, die als neues Medium um die Jahrhundertwende eine große Popularität erlangten. Postkarten wurden in hoher Auflage gedruckt und waren preiswert. Sie verlangten von dem Schreibenden, sich kurz zu halten, und legten den geschriebenen Text offen dar. Wie Twitter heute, so galten die Postkarten damals als »modern«.

 

Vor allem verbanden sie auch Text und Bild. In der Berliner Chronik verweist Benjamin auf das Postkartenalbum seiner Großmutter, das sie ihm als Geschenk übergab. Die vielen Bilder faszinierten ihn und weckten seine Reiselust. In der gleichen Chronik beschreibt er auch seinen ersten eigenen Kauf einer Bildpostkarte, die ihn später an das Berlin seiner Kindheit erinnern sollte. Als Jugendlicher wie auch als Erwachsener verschickte Benjamin sorgsam ausgewählte Ansichtskarten an Freunde und Bekannte. Er kaufte Bildpostkarten von Orten, die er bereiste, und schrieb seine Städtebilder mit Postkarten in der Hand. In Paris interessierte er sich für die Arbeiten Eugène Atgets, der wie viele Künstler seiner Zeit seine Fotografien an Postkartenhersteller verkaufte. Motive von Pariser Karten gingen in Benjamins Passagenwerk ein. Seinem Korrespondenten Siegfried Kracauer gegenüber skizzierte er schließlich ein neues Projekt, an dem er arbeiten wollte, das er aber nie verwirklichte: eine Philosophie der Postkarte. Der Vortrag von Liliane Weissberg versucht die Bedeutung von Postkarten für Benjamins Werk nachzuzeichnen.

 

Liliane Weissberg studierte Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der FU Berlin und promovierte in Comparative Literature an der Harvard University. Sie lehrte zunächst an der Johns Hopkins University und ist heute Christopher H. Browne Distinguished Professor in Arts and Science an der University of Pennsylvania. Liliane Weissberg war Gastprofessorin an vielen Universitäten in den Vereinigten Staaten, Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf der deutsch-jüdischen Geschichte, Literatur und Philosophie sowie der psychoanalytischen Theorie. Ihre Arbeiten wurden unter anderem mit einer Guggenheim Fellowship, dem Forschungspreis der Alexander-von-Humboldt-Stiftung und dem Berlin Prize der American Academy ausgezeichnet sowie dem Ehrendoktorat der Universität Graz. Sie ist derzeit IFK_ Senior Fellow.

 

DER VORTRAG FINDET HYBRID STATT.

Für die Teilnahme via Zoom ist lediglich eine Anmeldung zum Meeting mit Namen und E-Mailadresse notwendig. Um sich anzumelden, klicken Sie bitte >>HIER<<. Den Zoom-Link erhalten Sie unmittelbar im Anschluss per E-Mail zugeschickt.

Da die Präsenzplätze inzwischen alle belegt sind, empfehlen wir dringen, via Zoom teilzunehmen! 

 

Weitere Informationen zu Liliane Weissberg

Ort: IFK & IFK@Zoom