01 October 2026 - 30 June 2027

Doktorandin

Institut für Kultur- & Sozialanthropologie
Universität Wien

Teilhabe & Regulierung. Gemeinschaftsalmen als Orte lokaler Vergesellschaftung?

Mehr als die Hälfte aller österreichischen Almweideflächen werden kollektiv genutzt, verwaltet und/oder besessen. Diese auf feudale Praktiken geteilter Landnutzung zurückgehenden Gemeinschaftsgüter wurden bereits vor 100–150 Jahren in die Gesetzgebung und Verwaltung des modernen österreichischen Staates integriert. Aber wie funktionieren Commons innerhalb kapitalistischer Regierungs- und Wirtschaftsstrukturen und deren Eigentumsordnung? Neben ethnografischen Beobachtungen zu Käselaiben, Schwendtagen, Dorfgerichten, EU-Subventionsanträgen, Skiliften und vergilbten Handschriften in Tirol und im Salzkammergut zeigt der Vortrag, dass auch hochgradig formalisierte Gemeinschaftsalmen Formen lokaler, demokratischer Vergesellschaftung von Land und Landschaften darstellen – und somit radikal vom liberalen Ideal des exklusiven Privateigentums abweichen. Die staatliche Regulierung dieser Commons hat der Teilhabe an deren Vergesellschaftungsprozessen jedoch neue, mehr oder minder harte Grenzen gesetzt. Diese werden im Angesicht tiefgreifender Nutzungsänderung im Alpenraum – weg von extensiver Viehhaltung, hin zu touristischer Vermarktung – besonders spürbar und zu eigenen Konfliktherden.