Bewegungssehen: Bewegung im Blick
Der Übergang vom Standbild zum Bewegungsbild des Films bringt sowohl technisch induzierte wie psychologisch und ästhetisch signifikante Änderungen des Sehvorgangs mit sich. Das Projekt bezieht sich auf jene Filme, die sich durch die experimentelle Sprengung des Bewegungsflusses exponieren. Dazu gehören die Rauminstallationen der neuen Videokunst mit ihren Loops und Mehrfachprojektionen ebenso wie die Filme des österreichischen Experimentalfilmers Martin Arnold. Er hat an ausgesuchten Einstellungen bekannter Filme Eingriffe vorgenommen, die sich auf die Bewegung beziehen.
Da der Blick lange Zeit in Kategorien von Subjekt/Objekt-Beziehungen gedacht worden ist, scheint es sinnvoll, den beweglichen Blick beweglicher Körper in Bezug zu setzen zu den Bewegungsbildern des Films und seinen Raumkonzepten.
Es geht darum, inwieweit im montierten Film das nicht-gesehene Bild, aus dessen Reihung das Bewegungsbild hervorgeht, wieder in den Blick geholt werden kann. Das Sehen von Bewegung scheint also auf einer komplexen Modulation von Sehen und Nicht-Sehen zu basieren. Diese Paradoxie aufzulösen, hat die Philosophiegeschichte seit Zenon sich bemüht
Professorin für Filmwissenschaft an der Freien Universität Berlin