Transgression in der Gegenwartsliteratur
Neben der elektronischen Massenmedialisierung gilt Migration als zentrale Herausforderung gegenwärtiger Globalisierungsprozesse. Das Überschreiten nationaler beziehungsweise sprachlicher Grenzen evoziert sowohl im migrierenden Subjekt als auch innerhalb der betroffenen kulturellen Gefüge zahlreiche Transformationen. Simmels Diktum, wonach der Fremde derjenige sei, der heute komme und morgen bleibe, hat nur mehr bedingt Gültigkeit. Zusätzlich zum dauerhaften Niederlassen an einem anderen Ort (mit allen damit verbundenen Integrationsproblemen) kommen temporäre Aufenthalte an verschiedenen Plätzen sowie transkulturelle Zugehörigkeiten.
Das Projekt verfolgt am Beispiel gegenwärtiger “Migrationsliteratur” zwei Ziele: Zum einen geht es um die Hinterfragung verschiedener Konzepte wie Hybridität, Diaspora, Nomadismus oder Kosmopolitismus zur Erforschung migrationsbedingter kultureller und identitärer Transformationen. Zweitens werden ausgewählte literarische Texte (insbesondere von Emine Sevgi Özdamar, Yoko Tawada, Terézia Mora und Herta Müller) hinsichtlich der dargestellten Transgressionen und der daraus resultierenden Konsequenzen untersucht. In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage nach dem besonderen kreativen Potenzial, das aus der Transgression resultiert.
Institut für Germanistik der Karl-Franzens-Universität Graz