Kriegsberichterstattung vom Krimkrieg 1853-56 bis zum Ersten Weltkrieg 1914-1918/19: militärische und mediale Konstitutionsbedingungen eines neuen Genres
Das Projekt dient der Erforschung der medialen Präsentation von Kriegen von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg. Das ist diejenige Epoche, in der sich der enge Nexus von medial vermittelten Öffentlichkeiten und Kriegsgeschehen und-legitimation herausbildet, der bis heute prägend ist. Auch zuvor waren Kriege bereits Themen mit hohem Aufmerksamkeitswert – doch fehlte ein Mediensystem, das aktuell und massenwirksam war. Dies bildete sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts heraus: Seither ermöglichten die Telegrafenlinien den schnellen weltweiten Nachrichtentransport, und es entstand ein neuer, auf Aktualität und ein schichtenübergreifendes Massenpublikum abzielender Zeitungstyp. Kriegsberichterstattung erwies sich- erst in Nordamerika, dann in Großbritannien und schließlich auch in Kontinentaleuropa- als besonders geeignet, wenn es darum ging, die Auflagen zu steigern. Die Spezialkorrespondenten auf den weltweiten Kriegsschauplätzen- die in einigen Fällen weltweite Berühmtheit erlangten – verkörperten einen besonderen Typus von Journalismus: Sie galten als Augenzeugen der Geschichte, die sich, wie die damals gängige Auffassung lautete, vor allem in kriegerischen Auseinandersetzungen vollzog und entwickelte. Die wechselseitige Abhängigkeit von Medienentwicklung, journalistischer Selbstauffassung und Militärgeschichte steht im Mittelpunkt des Projekts, das die Herausbildung der Kriegsberichterstattung als internationales Genre (mit Schwerpunkten auf Großbritannien, Deutschland und der Habsburgermonarchie) untersucht.
Professorin für Neuere Geschichte und Geschichte der Frühen Neuzeit an der Technischen Universität Braunschweig.