Demokratische Repräsentation. Eine ideengeschichtlich fundierte Neukonzeption
Die Krise der Demokratie ist auch – oder vielleicht sogar vor allem – eine Repräsentationskrise. Etablierte Formen verlieren an Zuspruch: Großparteien schrumpfen, Nichtwähler*innen sind oft die größte Fraktion, und das System wirkt träge angesichts von Klimawandel, globalen Machtverschiebungen sowie Flucht und Migration. Zugleich fordern soziale Bewegungen und zivilgesellschaftliche Akteur*innen neue und andere Repräsentationsformen ein. Vor diesem Hintergrund plädiert das Dissertationsprojekt für einen Perspektivwechsel. Denn der Auseinandersetzung sind von vornherein zu enge Grenzen gesetzt, wenn sie sich auf ein wahlzentriertes Repräsentationsverständnis beschränkt, das vor rund 200 Jahre etabliert und für deutlich weniger komplexe Gesellschaften entworfen wurde. Die forschungsleitende Fragestellung lautet: Wie lassen sich demokratische Repräsentationsformen jenseits des wahlzentrierten Modells theoretisch bestimmen, normativ bewerten und kulturell verorten?
Anna Weithaler studierte Philosophie (BA, MA) an der Universität Innsbruck sowie Musik- und Instrumentalmusikerziehung (BEd, MEd) an der Universität Mozarteum, Standort Innsbruck. Sie war Universitätsassistentin (Prae-Doc) am Institut für Politikwissenschaft am Forschungsbereich Politische Theorie der Universität Wien. Zuvor war sie Kollegiatin des Doktoratskollegs Dynamiken von Ungleichheit und Differenz im Zeitalter der Globalisierung am Forschungsschwerpunkt Kulturelle Begegnungen – kulturelle Konflikte der Universität Innsbruck, Nachwuchswissenschaftlerin bei der Euregio-Plattform für Menschenwürde und Menschenrechte (Euphur) der Akademie Meran (Italien) und verbrachte Studienaufenthalte an der Universität Helsinki und am Center for Advanced Studies, Eurac Research (Bozen, Italien). Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in politischer Theorie und Ideengeschichte, insbesondere auf Demokratietheorien und Repräsentationsdebatten.