Der "Westen" in den Diskursen muslimischer Bevölkerungsgruppen Bulgariens. Konstruktionen und Wandel
Circa eine Million von den im Südosten Europas lebenden Muslimen sind in Bulgarien beheimatet. Im Kontext von Transformation und EU-Beitritt fanden in der letzten Dekade intensive und zum Teil kontroverse Debatten statt, die um das Verhältnis zu „“Europa““, zum „“Westen““ wie auch zum Islam und die damit verbundenen zeitgemäßen islamischen Werte kreisten. Dieses Forschungsprojekt hat das Ziel, diese Auseinandersetzungen innerhalb der (ethnisch differenzierten) muslimischen Bevölkerungsgruppen Bulgariens aufzuzeigen und deren gesellschaftliche und historische Hintergründe zu analysieren.
Untersucht werden sollen zum einen die Bilder des „“Westens““ und ihre inhaltlichen Konnotationen und zum anderen die Träger und Trägergruppen der Diskurse sowie der gesellschaftliche Kontext, in dem die Diskurse geführt werden. Die Auswertung wird sich auf Textanalysen (muslimische Presse, Internetveröffentlichungen, publizierte Werke muslimischer Intellektueller und Gelehrter, „“graue““ Literatur etc.) sowie auf Experteninterviews und andere Standardverfahren der Feldforschung stützen. Theoretisch-methodisch sollen Diskursanalysen mit der Rekonstruktion von Identitätssemantiken und Weltbildern verknüpft werden.
Jordanka Telbizova-Sack ist seit dem Jahr 2008 Postdoktorandin an der Graduiertenschule „“Religion in Modernisierungsprozessen““ der Universität Erfurt. Sie studierte Philosophie in Sofia, promovierte im Fachbereich Sozialwissenschaften an der Universität Göttingen und arbeitete als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Osteuropa-Institut der FU Berlin.