Semantik der Medien
Wenn Kultur als Prozeß der Sinngenerierung verstanden wird, rückt neben dem gesellschaftlich-ökonomischen Bedingungshorizont dieses Prozesses auch die Frage nach der symbolisch-operativen Logik in den Blick, durch die die kulturelle Dynamik als semantischer Prozeß bestimmt wird. In den Fokus eines solchen operativen Blicks tritt nun gewissermaßen die Inszenierungsqualität kultureller Kommunikation, ihre mediale Verfahrenslogik. Diese Logik symbolischer Praktiken soll dabei als eine Logik der Prozessierung intermedialer Differenz bzw. als eine Logik der Transkription beschrieben werden. Der Begriff der Transkription steht für ein Verfahren intermedialer Um-, Ein- und Überschreibungen, durch das mediale Symbolsysteme zueinander in Beziehung treten und den Prozeß der Generierung kultureller Semantik vorantreiben.
Das Ziel des Projektes besteht darin, im Interesse einer weiter auszufaltenden transkriptiven Semantik die kognitive, semiotische und ästhetische Reichweite der Semantiken – der „Repräsentationspraktiken“ (Mitchell) – insbesondere von Text, Bild und Musik sowohl im Hinblick auf typische Formen ihrer transkriptiven Beziehungen als auch im Hinblick auf den Status zu analysieren, der der sprachlichen Semantik für die mediale Semantik transkriptiver Aggregationen zukommt. Dabei soll auch die Frage diskutiert werden, warum sich die nonverbalen Medien/Künste selber durchgängig mit begrifflichen Mitteln beobachten, die dem Metaphernfeld der Sprache entnommen sind. Die Leitfragen des Projektes beziehen sich erstens auf die Eigenschaften nicht-sprachlicher Medien/Künste und ihrer transkriptiven Beziehungen, zweitens auf den Status von Sprache in den transkriptiven Prozessen nicht-sprachlicher Intermedialität und drittens auf die semiotische Natur der inframedialen Transkriptivität der Sprache.
Professor für Deutsche Philologie und Linguistik an der RWTH Aachen und Geschäftsführender Direktor des SFB 427 „Medien und kulturelle Kommunikation“ an der Universität Köln