Projektbeschreibung

Ästhetiken des Erinnerns. Kunst- und Kulturkooperationen zwischen Peru und der DDR

Das Projekt untersucht erstmals die Kunst- und Kulturbeziehungen zwischen Peru und der DDR. Ausgangspunkt ist die politische Neuorientierung Perus unter General Velasco Alvarado, dessen Regierung ab 1968 verstärkt Kontakte zu sozialistischen Staaten suchte. In diesem Kontext entstanden wirtschaftliche und kulturelle Kooperationen mit der DDR, die u. a. Ausstellungen und Theatergastspiele umfassten. Die bislang erschlossenen Materialien zeigen, dass Kultur weit mehr war als ein Begleitprogramm diplomatischer Beziehungen: Sie fungierte als Symbol internationaler Solidarität und zugleich als Mittel kultureller Selbstinszenierung. Methodisch verbindet das Projekt die Auswertung heterogener Quellen zu einer dichten Rekonstruktion kultureller Austauschprozesse. Theoretisch verbindet das Projekt die gesellschaftliche Verteilung von Sichtbarkeit mit einem Verständnis von Erinnerung als soziale Praxis. Kultur wird dabei als Feld begriffen, in dem politische, ökonomische und symbolische Prozesse ineinandergreifen. Daraus ergeben sich drei Ebenen der Un-/Sichtbarkeit: diskursiv, archivisch und performativ. Das Projekt entwickelt so eine »Ästhetik des Erinnerns«, die Bedingungen von Sichtbarkeit analysiert und bestehende Ordnungen neu lesbar macht.

Lebenslauf

Luisa Standop studierte Philosophie und Soziologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in Deutschland und der Universidad de Granada in Spanien (BA) sowie Medienkultur- und Kunsttheorien an der Kunstuniversität Linz (MA) in Österreich. Von 2016 bis 2023 erhielt sie ein Studienstipendium des Begabtenförderungswerks der Rosa-Luxemburg-Stiftung. 2025 war sie Gastwissenschaftlerin am Centro de Investigaciones Sociológicas, Económicas, Políticas y Antropológicas (CISEPA) der Pontificia Universidad Católica del Perú (PUCP) in Lima, wofür sie ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) erhielt. Von Oktober 2023 bis September 2026 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachgebiet Kunst und Gesellschaft der Universität Kassel und am documenta Institut Kassel. Ihre Forschungsinteressen liegen im Bereich Memory und Museum Studies, Ästhetik, visuelle Kultur sowie Kolonial- und Verflechtungsgeschichte(n) zwischen Lateinamerika und Europa.

Publikationen
2026 
»Championing Memory: On the Export of German Memory Culture to Peru«, in: Hywel Dix, Rachel Irdaya Raj, Shashibhusan Nayak (eds.), Negotiating Memory: Interdisciplinary Approaches to Culture, Nation, and Trauma, London 2026 (forthcoming).
2026 
with Vania Paola Pimentel Hurtado, »KISMAWARMI – Eine Plattform für dekoloniale künstlerische Entfaltung für rassifizierte und migrantische Frauen in Granada«, in: Lisa Baumgartner, Veronika Born, Hendrikje Grunow (eds.), Feminismen global, Freiburg 2026 (forthcoming).
2025 
»Bauchreden als Metapher«, in: Amalia Barboza and Mariel Rodriguez (eds.), Umwege/Detours: Künstlerische Wissenspraktiken als dekoloniale Strategien. Artistic Knowledge Practices as Decolonial Strategies, Heidelberg 2025, p 81–87.