Ist „digital vernetzt zu sein“ eine Kulturtechnik? Der Januskopf digitaler Literalität im Horizont einer „Kritik der digitalen Vernunft“
Der „Imperialismus der Verschriftung“ reicht weit: Der genetische Code des Lebens wird als DNA buchstabiert,und nahezu alle Anwendungen zeitgenössischer Digitalität werden durch Buchstabengebrauch initialisiert. Wir erleben gegenwärtig den Übergang von der alphabetischen in die digitale Literalität. Doch wie hängen beide zusammen? Signifikante Ambivalenzen zeichnen sich ab: das Entstehen einer neuen Undurchsichtigkeit algorithmischer Maschineninteraktionen, die hinter der grafischen Nutzeroberfläche operieren; das Zeitregime einer Beschleunigung, welches mit biologischen und sozial-kulturellen Zeitordnungen unvereinbar ist; die Paradoxie mobilitätsförderlicher Netze, die sich schnell als Datenfallen entpuppen. So entsteht die Frage: Ist nun eine „Kritik der digitalen Vernunft“ als eine die neuzeitliche Aufklärung transformierende „digitale Aufklärung“ nötig? Und welchen Beitrag kann dazu die Philosophie leisten?
Professorin für Philosophie an der Freien Universität Berlin; Gastprofessuren an Universitäten in Tokio, Wien, Graz, Zürich, Luzern; vormals Mitglied des Wissenschaftsrates sowie des Scientific Panel des European Research Council (Brüssel) und Mitglied im Senat und Hauptausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Sybille Krämer war Permanent Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin sowie Sprecherin des DFG-Graduiertenkollegs „Schriftbildlichkeit“. Fellowships am IFK Wien (2010), IKKM Weimar (2012), Kollegforschergruppe „Computersimulation“ Lüneburg (2014). Arbeitsgebiete: Theorie des Geistes und Erkenntnistheorie, Philosophie der Sprache und des Bildes, Medienphilosophie und-theorie.
31 Januar 2011