Auge und Blick in der Sprache, im deutsch-japanischen interkulturellen Kontext betrachtet
Im Japanischen gibt es nur das Simplex „miru“, das den beiden deutschen Verben „sehen“, „blicken“ entspricht. Es gibt kein einfaches japanisches Verb, das dem deutschen „blicken“ entspricht. Das deutsche Wort „Blick“ kann man zwar ins Japanische mit „Manazashi“, „Shisen“ (beide: Blickrichtung) u. a. übersetzen, all diese japanischen Ausdrücke sind Komposita mit dem Wort „Auge“.
Es wird arbeitshypothetisch davon ausgegangen, dass dem „Blick“ im Deutschen das Wort „Manazashi“ im Japanischen entsprechen könnte. Dazu ist zu bemerken, dass es verschiedene Formen mit jeweils unterschiedlichen Bedeutungen von „Manazashi“ gibt, beginnend mit einem „Tetsugaku no Manazashi“ (Blick der Philosophie), über „Kyouiku no Manazashi“ (Blick der Erziehung), „Kazoku no Manazashi“ (Blick der Familie) oder „Shakaigaku no Manazashi“ (Blick der Soziologie) etc. Diese verschiedenen Bedeutungen herauszuarbeiten, stellt eine genuine Aufgabe der linguistischen Semantik dar. Wie sieht die Semantik der deutschen Wörter „Blick“ und „Auge“ im Verwendungskontext aus? Das Ziel des Forschungsprojekts liegt darin, Ausdrücke, die im Zusammenhang mit „Blick“ und „Auge“ im Deutschen und mit „Me“ im Japanischen stehen, mit Bezug auf unterschiedliche Bedeutungen deutsch-japanisch kontrastiv zu analysieren. Aufgrund der Analyseergebnisse werden im Weiteren Überlegungen zu den interkulturellen Aspekten des Phänomens „Blick“ angestellt. In diesem Sinne versteht sich das Projekt als empirische Grundlagenarbeit zur Vertiefung und Weiterführung der interkulturellen Forschung und Methodendiskussion.
Professor für Deutsche Linguistik an der Universität Hiroshima