28
Juni
2021
  • Lecture
IFK & IFK@Zoom

Geronnene Milch: Alte DNA, Milchsäurebakterien und das Archiv des Lebens selbst

18:15 - 20:00
Foto: Matthäus Rest

 

Genforschung macht alte DNA lesbar und zum Archiv für Perioden ohne schriftliche Quellen. Viele ForscherInnen knüpfen daran die Hoffnung auf eine exakte Geschichtswissenschaft. Doch die Ergebnisse erinnern an konventionelle Geschichts-Erzählungen: Völkerwanderungen, Kriege, Pandemien. Bietet die Archäologie der Milchsäurebakterien einen Ausweg?

Die biomolekulare Archäologie – allen voran die humane Populationsgenetik – verändert die Hierarchien innerhalb der historischen Wissenschaften gerade von Grund auf. In den letzten Jahren wurden die DNA tausender prähistorischer Menschen und Tiere sequenziert und eine Reihe überraschender Entdeckungen postuliert. Plötzlich scheint die zentrale Kategorie archäologischer Theoriebildung – die Spekulation – nicht mehr notwendig. Doch obwohl die ProponentInnen der jungen Forschungsdisziplin eine epistemologische Revolution versprechen, reproduzieren ihre vorläufigen Ergebnisse altbekannte Geschichtskonzeptionen von epochalen Brüchen, die oft vergessen lassen, wie Menschen über Jahrtausende miteinander – und mit anderen, mehr-als-menschlichen Entitäten – gelebt haben. Die Archäologie der Milch bietet dagegen die Möglichkeit, jahrtausendealte Multi-Spezies-Beziehungsgeschichten nachzuzeichnen und gleichzeitig die Zukunft des Zusammenlebens von Menschen, Tieren und Mikroben zu sichern.

 

Matthäus Rest ist Anthropologe und Bauer. Er interessiert sich für die Beziehung zwischen Umwelt, Ökonomie und Zeit. Seine Doktorarbeit handelt von einem Staudamm in Nepal, der 30 Jahre lange immer wieder nicht gebaut wurde. Momentan arbeitet er am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena, wo er im Team mit ArchäologInnen zur Beziehungsgeschichte von Menschen, Wiederkäuern und Milchsäurebakterien forscht. Derzeit ist er IFK_Research Fellow.

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Ort: IFK & IFK@Zoom

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