01 Oktober 2023 - 30 Juni 2024

Doktorandin
Institut für Geschichte
AG Wissenschaftsgeschichte
Universität Wien

Billige Abklatsche? Epigrafik als politische Beziehungsarbeit

Ein Blick in den Prozess der Abklatschherstellung zeigt, dass deren Produktion nicht voraussetzungslos war: Abklatsche wurden zu entscheidenden Evidenzobjekten für die Auseinandersetzung mit epigrafischen, philologischen und theologischen Fragestellungen. Anhand des jüdisch-österreichischen Semitisten Eduard Glaser zeigt der Vortrag, wie die Abklatschherstellung außerdem mit wissenschaftlichen und soziopolitischen Allianzen verflochten war. So bemühte sich Glaser um die Finanzierung durch die österreichisch-ungarische Monarchie, durch französische Forschungsinstitutionen und durch zionistische Akteure, während er vor Ort auf Vertretende des Osmanischen Reichs und jüdisch-jemenitische Informanten angewiesen war. Anhand dieser Beziehungen wird gezeigt, wie lokale und nichtlokale hegemoniale Herrschaftspraktiken und unterschiedliche nichthegemoniale Strategien mit der Entstehung von Wissen verflochten sind. Ann-Cathérine Pielenhofer studierte Geschichte und Judaistik in München und Wien. Sie ist auch Übersetzerin aus dem Hebräischen. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören Wissens- und Wissenschaftsgeschichte sowie historisch-politische Epistemologien.