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Tagung: Neue Schwierigkeiten nein zu sagen, Susanne Wernsing, "Nein - Sagt Wer?

Susanne Wernsing



Tagung: "Neue Schwierigkeiten nein zu sagen", Susanne Wernsing "Nein – Sagt Wer? Kämpfe um Deutungsmacht im Museum"


  Kontroverse Debatten über das Museum nehmen seit langem sowohl die Ausstellungs- als auch die Sammlungspolitiken in den Blick. Nachdem unter dem Schlagwort Partizipation in den 2010er-Jahren Verfahren der gesellschaftlichen Teilhabe an der musealen Wissensproduktion erprobt wurden, wird aktuell über den Umgang mit kolonialen Sammlungen und rassistischen Exponaten diskutiert – und auf weitere Unrechts- und Gewaltkontexte, zum Beispiel der künstlerischen Produktion, übertragen. Dabei werden nicht nur hegemoniale Ausstellungsnarrative in Frage gestellt, sondern im Rückgriff auf Jahrzehnte alte Institutionskritik und aktivistischen Protest die Repräsentation des europäischen, weißen, bürgerlichen Museums angefochten. Susanne Wernsings Vortrag skizziert Kontroversen in der Bildungs- und Ausstellungspraxis, die durch eine simple Form kuratorischer Verweigerung ausgelöst werden. Ein Nein zur Frage, ob herabwürdigende, diskriminierende Exponate gezeigt werden sollten, sei es in Ausstellungen, Vorträgen oder Publikationen, setzt sich zuverlässig dem Verdacht des Bilder- und Sprachverbots aus. Den Entzug als Zensur zu beschreiben, übersieht hingegen nicht nur die Situiertheit von Institutionen, sondern verkehrt auch die realen Machthierarchien zwischen institutionellen Perspektiven und ‚aktivistisch‘ markierten Stimmen der Zivilgesellschaft. Anhand von Beispielen möchte Susanne Wernsing diskutieren, warum die Zuschreibung von wissenschaftlicher Neutralität auf der einen und ‚betroffener‘ Subjektivität auf der anderen Seite nicht haltbar ist. Nach dem Nein – setzt der notwendige Streit um die Deutungsmacht und die Suche nach alternativen kuratorischen Strategien ein. Susanne Wernsing ist freiberufliche Kuratorin. Sie sudierte Geschichte, Pädagogik und Romanistik in Köln und Histoire du Patrimoine in Reims. In Ausstellungen und Publikationen beschäftigt sie sich mit Körperpolitiken, Technik- und Wissenschaftsgeschichte, Geschichtspolitik und der Theorie und Praxis des Ausstellens. Derzeit arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der HTW Berlin im Forschungsprojekt »Sammeln erforschen« (VolkswagenStiftung) und hat die wissenschaftliche Leitung für Forschungen des Technischen Museums Wien im Rahmen des Projekts »Objekte aus kolonialen Sammlungen in österreichischen Bundesmuseen« (BMKÖS).