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Tagung: Radikale Imagination. Cornelius Castoriadis. Vortrag Alice Pechriggl: «Castoriadis und die Revolution»

Alice Pechriggl



1987: Die Revolution als Ereignis schien schon in weite Ferne gerückt und immer blutig zu enden; doch dann las die Vortragende das faszinierende Werk eines noch lebenden Philosophen, der sich als Revolutionär bezeichnete, und war gefesselt. Es begann für sie eine folgenreiche Geschichte und eine Revolution, die noch immer auf sich warten lässt, obwohl sie längst schon begonnen hat, und die – nicht enden wollend – uns heute wie ein roter Faden mit anderen Generationen verbindet, vor allem mit jungen Menschen, deren Zukunft auf dem Spiel steht und denen das Erfordernis eines radikalen Wandels unserer Produktions- und Konsumtionsweisen glasklar zu sein scheint. Weniger klar ist, wie diese »Revolution« aussehen soll und ihr politischer Vollzug. Der Vortrag wird versuchen, diesen durch Castoriadis neu belebten Begriff der Revolution aus heutiger Sicht zu fassen, rück- und vorwärtsblickend wie der Mensch, der ausholt und wankt, um etwas zu werfen oder einfach nur einen Schritt vor den anderen zu setzen. Welcher Art sollte der politische Begriff der Revolution sein, ohne in der totalen Idee davon zu münden?


Alice Pechriggl ist Philosophin und Psychotherapeutin (Gruppenpsychoanalyse und psychoanalytische Psychotherapie) und seit 2003 Professorin am Institut für Philosophie der Universität Klagenfurt. Sie ist seit ihrer Jugend politische Aktivistin (ökologisch, radikaldemokratisch, feministisch, »LGBTIQ*«…) und absolvierte Studien der Philosophie und Politologie in Wien, Florenz und Paris, wo sie von 1988 bis 1997 an der EHESS studierte, mit Schwerpunkten in Philosophie, Alter Geschichte und Geschlechteranthropologie. Cornelius Castoriadis war dort ab 1990 Betreuer ihrer thèse de doctorat en philosophie et sciences sociales. Es folgten eine Psychotherapieausbildung (2000–2010) und Gastprofessuren an der Université Paris VIII St. Denis, der Université Paris I Sorbonne sowie an der Universität Wien. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Geschichte der Philosophie (Griechische Antike und 20. Jahrhundert), Philosophie der Politik sowie Kulturphilosophie und Psychoanalyse. Seit 2020 ist sie maßgeblich am Aufbau des Unterrichtsfachs Ethik in Klagenfurt beteiligt. Sie ist Mitglied von Scientists for Future und von diversen wissenschaftlichen Beiräten. Zum Workshop