Fakten und Fiktionen – Überlegungen zu einem durchlässigen Verhältnis
So handlich der Gegensatz von Fakten und Fiktion ist, so wenig eignet sich dieses Schema noch, um neuere Entwicklungen der Gegenwartsliteratur zu beschreiben. Das Verhältnis dieser sperrigen Begriffe ist schon deshalb neu zu vermessen, weil die Grenze inzwischen immer mehr zu Überschreitungen einlädt. Was einmal als Außengrenze der Literatur bestimmt war, nämlich die Welt der Fakten oder das Reale, wirkt immer stärker in die Kunst und damit auch in die Theorie hinein, man denke nur an den Nobelpreis für Literatur an Swetlana Alexijewitsch. Grund genug, die Begriffe neu zu eichen, um Mischungsverhältnisse in den Blick zu nehmen und die Arbeitsteilung zwischen den Fächern zu überdenken.
Aleida Assmann studierte Anglistik und Ägyptologie in Heidelberg und Tübingen. Nach ihrer Promotion (1977) und Habilitation (1992) in Heidelberg war sie von 1993 bis 2014 Professorin für Anglistische und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Konstanz. Gastprofessuren haben sie in die USA nach Princeton, Yale, Chicago und an die Universität Wien geführt. Sie ist dem IFK seit seiner Gründung verbunden und hat im ersten Jahrzehnt im Internationalen Wissenschaftlichen Beirat mitgewirkt. Ihre Forschungen haben einen Schwerpunkt im Bereich der kulturwissenschaftlichen Gedächtnisforschung und behandeln Themen wie kulturelles Gedächtnis, historische Generationen, Trauma und Vergessen.