Natur nach der Natur. Historische Konstellationen der naturästhetischen Bildkunst
Nach Phasen des (radikalen) Konstruktivismus und der Position, dass es ‘kein Außen’ zur menschlichen Welt gäbe; aber auch nach der berechtigten Kritik am Essentialismus, zielt das Projekt auf eine systematische wie exemplarische Geschichte der Natur. Dies fügt sich ins Rahmenthema des IFK: seit der Antike wurde die Natur als harmonische und gesetzliche Ordnung oder als chaotische Wildnis verstanden. Das historische Verhältnis von Risiko und Sicherheit, des Zufalls sowie der Naturkatastrophen gehen in das Vorhaben ebenso ein wie die Geschichte der Naturästhetik, in der sich die Verhältnisse von Ordnung/Unordnung, Harmonie/Chaos, Form/Gestaltlosigkeit ablesen lassen. Studien zur Bildkultur und Naturästhetik stehen zunächst im Mittelpunkt. Hierbei ist die Geschichte von Technik und Naturwissenschaft mehr als ein Hintergrund der Künste. Diese haben sich nicht im Modell der Naturnachahmung erschöpft; sie lieferten eigenständige Beiträge zur Geschichte des Wissens, der experimentellen Praktiken und Techniken, der ‚Erfahrung’ und ‚Modellierung’ der Natur. Auch in der Auseinandersetzung mit der Kontingenz der Natur haben die Künste eine besondere Stimme, wie sie auch beteiligt sind an den Phantasmen von Natur-Beherrschung und „kreativer Zerstörung“. Sie entwickelten wichtige Formen der epistemischen und medialen Selbst-Reflexivität. Im Spannungsfeld von Essentialisierung und Dekonstruktion der Natur werden ästhetische Figurationen entwickelt, die im sog. Anthropozän vergessen zu sein scheinen. Die Künste bilden ein ‚Dazwischen’ (metaxü) von Natur und Kultur, eine dritte Position, mit einer Agency, die zu erforschen das Ziel der Wiener Monate ist.
Hartmut Böhme, studierte Germanistik, Theologie, Philosophie und Pädagogik; 1977-92 Professor für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, Universität Hamburg; 1993-2012 Professor für Kulturtheorie und Mentalitätsgeschichte, Humboldt-Universität zu Berlin; Gastprofessuren in den USA, in Italien und Japan; Fellowships in Wien (IFK), Weimar (IKKM), Essen (KWI); vielfach Projektleiter von DFG-Forschungsprojekten; Sprecher des Sonderforschungsbereichs „Transformationen der Antike“ (bis 2012); Träger des Meyer-Struckmann-Preises 2006 und des Hans-Kilian-Preises 2011. Langjähriger Beirat/Herausgeber der Reihen „Junius – Zur Einführung“, „Grundwissen Philosophie“, „Transformationen der Antike“, „Nature, Culture and Literature“, „Berliner Kulturwissenschaft“, „Zeitschrift für Kulturwissenschaften“; Beirat/Vorstand der Gesellschaft für Kulturwissenschaft, der Warburg-Stiftung, des Forschungskolleg Morphomata, des KWI Essen, des Bauhaus Dessau (bis 2014).
30 November 2007