Erleuchtete Nerven. Die Geschichte der Meskalinforschung (1887-1957)
Nachdem der Berliner Toxikologe Louis Lewin den von mittelamerikanischen Kulturen als heilig erachteten Peyote-Kaktus importiert hatte, isolierte Arthur Heffter 1897 dessen psychoaktiven Hauptwirkstof „Mezcalin“. Die erste Totalsynthese des Alkaloids wurde 1919 durch Ernst Späth in Wien hergestellt. Dies bedeutete eine Senkung der Kosten und erlaubte eine exakte Dosierung, was einen regelrechten Forschungsboom zur Folge hatte. In der Annahme, mittels Meskalin transitorische Psychosen auslösen zu können, machte man sich an die systematische Erfassung des Wahnsinns. Neben den psychopathologischen Experimenten unter der Leitung von Kurt Beringer in Heidelberg – dessen Monografie „Der Meskalinrausch“ (1927) auch heute noch als Standardwerk gilt – ist das bewusstseinsverändernde Potenzial der „psychedelischen“ Substanz vor allem an den Universitäten und Kliniken von Berlin, Freiburg, Greifswald, München und Tübingen sowie später in den KZs von Dachau und Auschwitz ausgelotet worden; nach dem 2. Weltkrieg wurden die Meskalinforschungen in Nordamerika und Kanada wieder aufgenommen und schließlich von LSD in den Schatten gestellt.
Ivo Gurschler studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Soziologie und Philosophie in Wien sowie Cultural Studies in London. Er ist Redakteur bei „skug. Journal für Musik“ und im Redaktionsbeirat von „TUMULT“. Er ist Doktorand an der Akademie der bildenden Künste . Außerdem arbeitete er im Museumsbereich, als freier Lektor und für das Performancekollektiv „nadaproductions“. 2016/17 IFK_Junior Fellow Abroad in Saskatchewa, Darmstadt, Berlin.