Archäologie des Kommunismus
Ausgangspunkt ist die durch ein Epochenende möglich gewordene phänomenologische Analyse der materialen und ideellen Hinterlassenschaft des sowjetischen Kommunismus. Hier soll ein Verfahren ausprobiert werden, das sich von der Geschichte des Alltags, der Geschichte der Erinnerung, aber auch von einer nicht weniger reduktionistischen material culture unterscheidet. Zum Projekt gehören vor allem phänomenologische Mikrostudien über soziale Topoi (Beispiel: die Warteschlange), Verhaltens- und Denkformen (Beispiel: Herzlichkeit, Nichthöflichkeit), physische Topografien (Beispiel: Baustelle des Kommunismus). Sie alle sollen in ihrer Genese, ihrer vollen Entfaltung und ihrer Erosion untersucht werden. Gefragt wird auch danach, weshalb die offensichtlichen Erscheinungen dieser Lebensform in der professionellen Sozial- und Geschichtswissenschaft kaum oder gar nicht behandelt und reflektiert worden sind, während sie bevorzugtes Sujet der (visuellen) Künste geworden sind.
Nach dem Studium der Philosophie, Soziologie und Osteuropäischen Geschichte an der Freien Universität Berlin absolvierte Karl Schlögel Studien und Forschungsaufenthalte in Moskau und Leningrad. Professor für Osteuropäische Geschichte zuerst an der Universität Konstanz, dann an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder. Nach seiner Emeritierung Arbeit an einer Archäologie des Kommunismus und einer Geschichte des Wolgaraumes.