Historisches Erzählen in den Zirkuspantomimen von den 1880er-Jahren bis in die Zwischenkriegszeit des 20. Jahrhunderts
Pantomimen oder Manege- und Ausstattungsstücke kamen bereits in den frühen Programmen der größeren Zirkusunternehmen als technisch aufwändig gestaltete und publikumswirksame szenische Aufführungen zum Einsatz, die sich u. a. mit historischen Stoffen auseinandersetzten. Die Art und Weise der Bearbeitung geschichtlicher Ereignisse und Figuren lässt sich jedoch nur bedingt mithilfe von erprobten theoretischen Entwürfen zum Problem des historischen Erzählens beschreiben, weil die Fiktionalisierung von geschichtlichen Fakten nicht selten ein Abdriften in das Mythologische bewirkte. Das Forschungsprojekt will deshalb neben den Fragen nach der inneren Gattungslogik und dem Stellenwert des Genres innerhalb der Zirkusgeschichte und der Populärkultur auch jene kontextuellen Bedingungen (wie Aufführungsort und kulturpolitische Strategie der Zirkusse) klären, aus denen eine Umdeutung und zuweilen eine Annullierung des historischen Erzählens resultierte.
Nach dem Studium der Germanistik und Slawistik an der Eötvös-Loránd-Universität Budapest promovierte Katalin Teller 2008 zur Literaturtheorie. Seit 2009 ist sie assoziierte Professorin am Lehrstuhl für Ästhetik der ELTE. Seit 2012 arbeitet sie zusätzlich als Projektassistentin des FWF-Projektes „Transdifferenz in der Literatur deutschsprachiger Migrantinnen in Österreich-Ungarn“ am Institut für Germanistik der Universität Wien, und seit 2014 nimmt sie am Sparkling-Science-Forschungsprojekt „Metropolis in Transition. Wien – Budapest 1916–1921“ des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Geschichte und Gesellschaft in Wien teil. Ihre Forschungsschwerpunkte sind kulturwissenschaftliche Theorien, Großstadtliteratur, Massenkultur und Zirkusgeschichte im kulturgeschichtlichen und wissenschaftlichen Kontext.