Project Description

„Auf der Suche nach der dritten Seite der Münze“. Das „zweite Leben“ des Biochemikers Erwin Chargaff im Spannungsfeld zwischen den „Two Cultures“

Erwin Chargaff (1905–2002) ist gegenwärtig vor allem für seine Leistungen als Biochemiker bekannt. Dass er nach dem Ende seiner wissenschaftlichen Karriere in literarisch ambitionierten Essays gegen sein eigenes Fach polemisiert hat, wird oft vergessen. Das Projekt nimmt das essayistische Alterswerk Chargaffs in den Blick und fokussiert dabei zwei Aspekte: Der erste Teil ist gattungstheoretischen Fragestellungen gewidmet; der kulturwissenschaftlich orientierte zweite Teil konzentriert sich auf die Kontextualisierung Erwin Chargaffs als Vertreter einer Form wissenschaftskritischen „Renegatentums“, wie sie in den 1970er-Jahren im Rahmen von Ökologiebewegungen zunehmend an Bedeutung gewinnt – nicht zuletzt als Teil einer Intellektuellengeschichte des späten 20. Jahrhunderts. Untersucht werden u. a. die Rezeption Chargaffs im naturwissenschaftlichen und im literarischen Feld, Publikationsstrategien und Werkpolitik, wobei Besonderheiten, die durch die Wahl einer zwischen Wissenschaft und Literatur changierenden Gattung bedingt sind, im Vordergrund stehen.

CV

Magdalena Bachmann studierte Chemie an der LFU Innsbruck, danach Deutsche Philologie. Gleichzeitig absolvierte sie ihr Doktoratsstudium in Chemie. Seit 2012 verfolgt sie ein Doktoratsstudium der Literatur- und Kulturwissenschaft. Sie erhielt ein DOC-fFORTE-Stipendium der ÖAW (Dissertation Chemie), ein Höchstbegabtenstipendium des Rotary-Clubs 2012, den Preis des Deutschen Freundeskreises der Universitäten Innsbruck 2012, den Georg-und-Christine-Sosnovsky-Preis 2013 (Dissertation Chemie) sowie ein Doktoratsstipendium aus der Nachwuchsförderung (Dissertation Literatur- und Kulturwissenschaft).

Publications
Das Tagebuch als Laborprotokoll – Experiment Großschriftsteller, in: Düsseldorfer Beiträge zur Thomas Mann Forschung, Düsseldorf geplant für 2015 (= Schriftenreihe der Thomas Mann Gesellschaft Düsseldorf 4)|Reden über Nichts. Die Kolumnen von Max Goldt als Persiflage der Gattung Essay, in: Zeitschrift für Germanistik. Neue Folge XXIV, Heft 2, 2015 [geplant]|Der Psychiater als Literat, der Literat als „Psichopat“, der „Psichopat“ als Psychiater. Zu den Fallgeschichten des Falls Oskar Panizza, in: Thomas Wegmann und Martina King (Hg.), Fallgeschichte[n] als Narrativ zwischen Literatur und Wissen, Innsbruck 2014 (= Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft. Germanistische Reihe 83, [im Erscheinen])|„Wer keine Heimat mehr hat, dem wird wohl gar das Schreiben zum Wohnen“. Peripherie und Selbstinszenierung bei Erwin Chargaff, in: Andrea Corbea-Hoisie, Sigurd Paul Scheichl (Hg.), Kultur und Sprache an der Peripherie, Konstanz 2014 (= Jassyer Beiträge zur Germanistik 18), [im Erscheinen].