Hg. von Thomas Macho, mit einem Nachwort von Karin Harrasser
Aus dem Französischen von Paul Maercker
Diese Untersuchung utopischer Erzählungen, des Widerstands gegen die Kolonisation und der Herrschaftskritik in der Dichtung der Tupi-Guaraní ist das Resultat der ethnologischen Studien, die Hélène Clastres in den 1960er und 1970er Jahren gemeinsam mit ihrem Mann Pierre Clastres bei indigenen Gesellschaften in Südamerika durchführte. Die prophetische Rede der Schamanen als Medium der Hervorbringung einer stets im Werden begriffenen Welt und als Einspruch gegen die Zumutungen der (neo-)kolonialen Gegenwart ist der zentrale Gegenstand von Clastres’ immer noch zukunftsweisender Untersuchung.
Lesende Dämonen. Schrift als Versuchung
Die Versuchungen des heiligen Antonius wurden seit dem Mittelalter gerne als Leseszene visualisiert. In zahlreichen Buchmalereien, Grafiken und Gemälden wird Antonius als versunkener, gestörter oder geschändeter Leser dargestellt, der von boshaften Dämonen belagert oder bedrängt wird. In diesem Zusammenhang taucht um 1500 das rätselhafte Motiv lesender Dämonen auf.
»Wir Europäer sind Asiaten« – mit diesen Worten überschrieb die Zeitschrift Bild der Wissenschaft 2015 ihre Juli-Ausgabe.Die Beiträge zu diesem Titelthema rekurrierten dabei weniger auf archäologische, sondern vielmehr auf aktuelle genetische Analysen. Diese sorgen vor allem seit den 2010er Jahren für Schlagzeilen und bezeugen einerseits die steigende Bedeutung molekulargenetischer Erkenntnisse im Kontext archäologisch-historischer Forschung im öffentlichen Diskurs; andererseits bilden sie einen in den letzten Jahren beobachtbaren Trend innerhalb der Archäologie ab, der sich in der Zunahme naturwissenschaftlicher Verfahren zeigt.
Die digitale Aufrüstung des Sozialen und Psychischen schreitet voran. Social media, verkabelte Infrastrukturen und autonome technische Artefakte bestimmen das Bild einer Gesellschaft, die in immer komplexeren Gefügen agiert.
Als Reaktion auf die erste bemannte Raummission durch Juri Gagarin am 12. April 1961 veröffentlicht der französische Philosoph Emmanuel Lévinas einen kurzen, »Heidegger, Gagarin und wir« betitelten Text. Gagarin, so Lévinas, habe »eine Stunde lang […] außerhalb jedes Horizonts existiert«.
Angesichts der Entwicklung maschineller Übersetzungstechnologien stellte sich bereits in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Frage nach Theorie, Praxis und Selbstverständnis des Übersetzens noch einmal mit neuer Dringlichkeit.
Der Tod ist nicht das Gegenteil des Lebens, sondern der Macht. Mohammed Bamyeh demonstriert an vier Systemen – Polis, Imperium, religiös dominierten Gesellschaften und moderner Massengesellschaft – vier Strategien, die Macht gegen das egalitäre Gespenst des Todes abzusichern – »dem Tod soll kein Reich mehr bleiben« (Dylan Thomas).
Psychoanalyse fand in der Nachkriegszeit nicht nur auf der klassischen Couch statt, sondern auch in psychiatrischen Kliniken. Neben Patientinnen und Patienten wurden mancherorts auch Pflegende der talking cure unterzogen.
Weltsprache ohne Worte
Zu den Anfängen der modernen Bildzeichen: Nach seinen Anfängen in Otto Neuraths Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum in Wien ging der 24jährige Jurist Rudolf Modley 1930 in die USA, wo er in den folgenden Jahrzehnten das graphische Informationsdesign entscheidend prägen sollte.
Alltag in Jablonec 1994. Vom »Neusiedlergrenzland« zur Euroregion
Jablonec, eine Kleinstadt in Nordböhmen, war nicht zufällig Gegenstand und Veranstaltungsort der sozialanthropologischen Sommerschule, zu der junge Sozialwissenschaftler aus sieben Ländern – Tschechen, Deutsche, Slowaken und Österreicher, ein Russe, eine Amerikanerin und eine Französin – zusammengekommen waren. Die bewegte Geschichte der Stadt spiegelt die politischen, ökonomischen und nationalen Konflikte wider, die in diesem Jahrhundert Europa zerrissen haben und die für uns zum Thema wurden.