Purity Veils
Ausstellungseröffnung mit einer Einführung von Ulrich Van Loyen.
Ausgehend von den exzessiv bewegten Lendentüchern Christi in dem Stil der Donauschule widmet sich die Ausstellung von Susanne Ristow dem Schleier als offener Bild- und Projektionsfläche. Die schwebenden und nicht selten erstaunlich erotischen Stoffe der Kreuzigungsdarstellungen von Mittelalter bis Barock erscheinen als flirrende Medienoberflächen voller Ambivalenz, Sinnlichkeit und Bewegung. Schwarzlicht und grüne Spots wehen einen Hauch von Disco herbei und lassen die Lendentücher aufleben, um sie gleichzeitig ins gnadenlose Fadenkreuz aktueller Identitätsdebatten zu stellen. Die Künstlerin entwickelt aus einem reichen Fundus Zeichnungen, Bewegtbilder, Paste-Ups und fluide Bildräume, in denen sich sakrale Ikonografien mit gegenwärtigen Fragen nach Körper, Reinheit, Verletzlichkeit und Freiheit in permanenten Transformationenvermischen. Es entsteht ein offener Dialog über Potenz und Potenzial des .Reinheitstuches. von Schleiern über Lendentücher bis hin zu Kopftuchmoden: Zeichen des Überlebens und Verbergens, der anregenden sexuellen Vieldeutigkeit und einer sich ständig wandelnden Gemeinschaft mit ihren Einhüllungen und Ausschlüssen.