Parallel Exposure. Expanded Minds and Postcolonial Consciousness in the 1960s
Das Projekt greift das Konzept der »parallel exposure« wieder auf, das der südafrikanische Künstler Selby Mvusi (1929–1967) 1962 auf dem Internationalen Kongress für afrikanische Kultur in Salisbury (Harare) theoretisch begründet hatte. Vor einem Publikum, zu dem auch die Koryphäen der Kunstwelt Alfred Barr Jr. und Tristan Tzara gehörten, wies Mvusi rassistisch geprägte Obsessionen mit der »afrikanischen Persönlichkeit« sowie die angeblich unvermittelte und unreflektierte Kreativität der Kunst des Kontinents als vorindustrielle Ursprünglichkeit zurück. Mvusis Konzept der parallelen Wahrnehmung im postkolonialen Diaspora-Raum stellte die mittlerweile kanonisierte Idee eines »erweiterten Bewusstseins« der 1960er-Jahre infrage, die eine ganzheitliche Befreiung durch sensorisch-ästhetische Grenzüberschreitungen versprach. Themen, die von der Op-Art über Timothy Learys LSD-Experimente bis hin zu Marshall McLuhans Medientheorie reichten, waren relevant für Mvusis Untersuchung der Frage, inwiefern die dieser gegenkulturellen Optik und diesem Bewusstsein zugrunde liegende Erkenntnistheorie den kolonial-rassistischen Blick erklärte, der die moderne westliche Visualität und das Design prägt.
Daniel Patrick Horn ist Dozent in Kunstgeschichte an der Freien Universität Berlin, wo er ab 2021 das Deutsche Forschungsgemeinschaft-Projekt »Demodernismen. Kunst und Kolonialität zwischen Frankreich und Westafrika 1945–1966« leitete und 2025 abschloss. Er studierte in London und Los Angeles und promovierte an der Akademie der bildenden Künste Wien in Kunsttheorie. Er war Stipendiat des DAAD-Maison des Sciences de l’Homme sowie Fellow der Max Weber Stiftung-DFK Paris und Kunsthistorisches Institut Florenz-Max Planck Institut in Berlin. Als Kunstkritiker publiziert er in verschiedenen Publikationen darunter Artforum, Nka-Journal of Contemporary African Art, 21:Inquiries, e-Flux und Texte zur Kunst sowie Katalogbeiträge für Museen, zuletzt Paris Noir. Artistic circulations and anti-colonial resistance, 1950–2000, Centre Pompidou 2025. Seine Monografie Disalienations: Art in and out of Africa at Midcentury wird bei Routledge erscheinen.