Die Welt im kinematografischen Mikrolabor. Zur Geschichte des wissenschaftlichen Dokumentationsfilms im Deutschland der Nachkriegszeit
Im Jahr 1956 wurde in Göttingen das Institut für den Wissenschaftlichen Film (IWF) gegründet. Es verstand sich als Einrichtung, die Film als ein Instrument für Forschung und Lehre bereitstellen sollte. Trotz historischer Kontinuität der Vorgängerinstitutionen, die in den 1930er-Jahren gegründet worden waren, beanspruchte das IWF für sich politische sowie gestalterische Neutralität. Eine ganz ähnliche Geschichte lässt sich über die Entstehung des Österreichischen Instituts für den Wissenschaftlichen Film (ÖWF) in Wien in den 1960er-Jahren dokumentieren. An der Gründung beider Institutionen waren sowohl deutsche als auch österreichische Wissenschafter beteiligt, darunter Konrad Lorenz und Irenäus Eibl-Eibesfeld. Das Projekt befasst sich mit der Geschichte des wissenschaftlichen Dokumentationsfilms und berücksichtigt dabei insbesondere den Aspekt der Bedeutung der Sammlung und Archivierung von Filmmaterial.
Anja Sattelmacher ist Postdoktorandin am Berliner Zentrum für Wissensgeschichte (TU Berlin) und arbeitet an einem Projekt zum wissenschaftlichen Dokumentationsfilm der 1960er- und 1970er-Jahre. Nach langjähriger Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Wissenschaftsgeschichte am Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin erfolgte ebendort die Promotion 2017 im Fach Wissenschaftsgeschichte. Der Titel der Arbeit lautet Anschauen, Anfassen, Auffassen. Eine Wissensgeschichte mathematischer Modelle. Stationen während der Promotion waren ein Lehrauftrag an der Université Sorbonne in Paris sowie eine Predoctoral Fellowship am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte. Ihr Studium der Europäischen Medienkultur absolvierte Sattelmacher in Weimar und Lyon, gefolgt von einem Master of Museum Studies an der Macquarie University Sydney, Australien.