Theory in Translation. French Theory in East Central Europe
Ab 1960 findet in Polen, der Tschechoslowakei und der DDR eine intensive Auseinandersetzung mit Autoren wie Bataille, Barthes, Foucault und Derrida statt, die sich v.a. an der Peripherie der institutionalisierten academia und im Bereich des Inoffiziellen (Samisdat, Lesezirkel, illegale Wohnzimmerseminare) konzentriert. Zur Beschreibung dieser Situation sind die Transfer- und Zirkulationsnarrative, auf die sich die Theoriegeschichtsschreibung seit den 1980er-Jahren stützt (z.B. Edward Saids traveling theories), jedoch nur bedingt geeignet. Das Projekt schlägt daher vor, transnationale Theoriegeschichte nicht mehr als Mobilitäts- und Wanderungs-, sondern als Übersetzungsgeschichte zu denken. Zugrunde liegt u.a. die These, dass Theorie auch und vielleicht sogar in erster Linie eine sprachliche Praxis ist, was auch die übergreifende Frage aufwirft, inwieweit einer solchen Perspektive das Potenzial eignet, grundlegende Aspekte der Entstehung, Übertragung und Verbreitung von theoretischem Wissen im Allgemeinen aufzuzeigen.
Anna Förster studierte Übersetzungswissenschaft und Slawistik in Leipzig und promovierte am Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der LMU München (2018). Derzeit ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Seminar für Literaturwissenschaft der Universität Erfurt tätig. Zu Anna Försters Forschungsinteressen gehören neben den Literaturen und Kulturen Polens, Tschechiens und der Slowakei vor allem die ost- und mitteleuropäische Literaturtheorie und deren Geschichte. Darüber hinaus arbeitet sie zu übersetzungswissenschaftlichen Themen und übersetzt aus dem Tschechischen und Englischen.