Adressbüros im Europa der Frühen Neuzeit – eine Vorgeschichte der Suchmaschine
Ziel des Forschungsvorhabens ist eine vergleichende Darstellung der europäischen Adressbüros in der Frühen Neuzeit; dabei handelte es sich um Einrichtungen, die die immer vielfältiger und unübersichtlicher werdenden Ressourcen der Städte für ihre BewohnerInnen und für fremde BesucherInnen benutzbar machen sollten. So diente die erste und bekannteste Anstalt dieser Art, nämlich das 1630 bis 1643 von Théophraste Renaudot in Paris eingerichtete „Bureau d’adresse“ der Informationsvermittlung. Gleichzeitig war es Verkaufs-, Arbeits- und Kreditvermittlungsstelle, Pfandhaus und ein Veranstaltungsort für Vorträge und eine Armenklinik. Nach seinem Vorbild entstanden vergleichbare Institutionen in weiteren europäischen Städten mit Bezeichnungen wie „intelligence office“, „Frag- und Kundschaftsamt“, “Berichthaus oder Adresscomptoir“. Diese Adressbüros sollen als Suchmaschinen avant la lettre betrachtet werden; ähnlich wie Letztere agierten sie in einem Spannungsfeld zwischen Geheimhaltung und Übernahme von Polizeiaufgaben.
Anton Tantner ist Lehrbeauftragter am Institut für Geschichte der Universität Wien.
30 Juni 2005
- ifk Junior Fellow