Projektbeschreibung

Oper und Opfer

Die Oper ist im 16. Jahrhundert wie die Tragödie aus Opferkulten entstanden (Nietzsche, Macho). Noch für die italienische Oper des 19. Jahrhunderts ist die Frage des Opfers strukturierend: Von Violetta verlangt Germont ausdrücklich ein Opfer »sacrifizio«; »sublime vittima« nennt er sie in der großen Todesszene. Bei Verdi, Puccini oder Mascagni kommt es zu einer ganz anders ausfallenden, genauer zu bestimmenden Opferkonkurrenz. In den Gender Studies und postkolonialen Studien ist die Oper massiv ins Kreuzfeuer der Kritik geraten: als misogyn, rassistisch, antisemitisch, islamophob, imperialistisch, homophob. Diese genderpolitischen und postkolonialen Interpretationsansätze möchte ich als Paradigma einer neuen Opferkrise fassen.

Die Opern des 19. Jahrhunderts arbeiten an einer Umbesetzung des Opfertodes Christi. Diese Umbesetzung soll in einem neuen Liebesopfer gelingen. Sie kann als Perversion der Eucharistie, als schwarze Messe kommen. Sie kann auch Rückfall in die antik-orientalischen Opferkulte sein.

Lebenslauf

Barbara Vinken, Prof. Dr., Ph.D., ist seit 2004 Professorin für Allgemeine Literaturwissenschaft und Romanische Philologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). 1989 in Konstanz und 1991 in Yale promoviert, habilitierte sie sich 1996 in Jena. Bevor sie an die LMU wechselte, folgte sie Rufen auf die romanistischen Lehrstühle in Hamburg und Zürich. Sie war Gastprofessorin an der New York University (zuletzt 2012), der Humboldt-Universität zu Berlin, der EHESS Paris, der Université Michel de Montaigne in Bordeaux, der Johns Hopkins University in Baltimore, der FU Berlin, am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung in Berlin (ZfL), an der Venice International University (VIU) und an der University of Chicago (The Franke Institute for the Humanities, Center for Disciplinary Innovation, 2012). Barbara Vinken schreibt außerdem für Die Zeit, Neue Zürcher Zeitung, Süddeutsche Zeitung, Harper’s Bazaar und Philosophie Magazin. Zudem ist sie regelmäßig in der 3sat– Buchzeit zu sehen.

Publikationen
mit Michèle Lowrie, Civil War and the Collapse of the Social Bond: the Roman Tradition at the Heart of the Modern, Cambridge 2021|Die Blumen der Mode – Klassische und neue Texte zur Philosophie der Mode, Stuttgart 2016|Flaubert. Durchkreuzte Moderne, Frankfurt/M. 2009|[englisch Flaubert Postsecular. Modernity Crossed Out, übers. von Aarnoud Rommens mit Susan L. Solomon, Stanford/Stanford 2015.]