Bewegungsbilder – aktivistische Videos, politische Ästhetik und vernetzte Öffentlichkeiten
Augenzeugenvideos, Dokus und Kampagnentrailer mit Klickzahlen im Millionenbereich – seit Entstehung des Web 2.0 formiert sich ein zivilgesellschaftlicher Videoaktivismus zwischen Online- und Offline-Öffentlichkeiten, Social Media und Social Movements. Das Projekt untersucht die neuen Bewegungen im Netz und diskutiert die Auswirkungen auf die Öffentlichkeit.
Mussten Videos zuvor in einem zeit- und kostenaufwändigen Prozess gedreht, geschnitten und vertrieben werden, ermöglichen HD-Kameras, Schnittsoftware, Social-Media-Plattformen wie YouTube und Live-Streaming-Apps eine schnelle und weite Bildzirkulation und tragen maßgeblich zu einem Wandel politischer Öffentlichkeit bei. Das Projekt skizziert die affektiven Strategien und die Ästhetik aktivistischer Videos. Mit Bezügen zur Medien- und politischen Theorie, mit Querverweisen auf die Filmgeschichte und in Anwendung bildanalytischer Methoden untersucht Chris Tedjasukmana die Folgen für die zunehmend vernetzten und affektiv aufgeladenen Öffentlichkeiten der Gegenwart.
Chris Tedjasukmana, Dr. phil., hat Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Philosophie und Politikwissenschaft in Frankfurt/M., Berlin, New York City und Kopenhagen studiert. Im Wintersemester 2017/18 ist er Gast des Direktors am IFK. Er ist Leiter des Forschungsprojekts der Volkswagen-Stiftung „Bewegungs-Bilder 2.0: Videoaktivismus zwischen Social Media und Social Movements“ an der Freien Universität Berlin und Mitherausgeber der Zeitschrift Montage AV – Zeitschrift für Theorie und Geschichte audiovisueller Kommunikation. 2016/17 war er Gastprofessor für Medientheorien an der Kunstuniversität Linz. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen Medientheorie, philosophische Ästhetik, politische Theorie, Neuer Deutscher Film, Gedächtniskulturen, Gender und Queer Studies. Seine Monografie Mechanische Verlebendigung. Ästhetische Erfahrung im Kino erschien 2014 in der Reihe Film Denken im Fink-Verlag. 2014 erhielt er den Karsten-Witte-Preis für den besten filmwissenschaftlichen Aufsatz.