Visuelle Selbstermächtigungsstrategien im Exil. Jüdische Künstlerinnen von Mitteleuropa nach Argentinien
Das Exilland Argentinien erlangte bisweilen nur wenig Aufmerksamkeit in der Forschung zum jüdischen Exil während des Nationalsozialismus, obgleich sich ab 1933 in Buenos Aires ein lebendiges Zentrum jüdischer Kultur herausbildete. Grete Stern (Fotografin), Hedwig Schlichter (Schauspielerin) und Irena Dodalová (Regisseurin) waren zentrale Figuren innerhalb dieses Netzwerks von Exilierten, die durch ihr kreatives Schaffen maßgeblich den Dialog zwischen mitteleuropäischer Kulturlandschaft und argentinischer Kunsttradition mitgestalteten. Rücksicht nehmend auf den historisch-gesellschaftlichen und individuell-biografischen Bruch, der durch das Exil hervorgerufen wurde, will das Dissertationsprojekt die künstlerischen Arbeiten dieser drei Frauen analysieren und Kenntnisse über die darin beinhalteten politischen Anliegen, Ideen und Forderungen erlangen. Das Projekt fragt damit v. a. nach visuellen Strategien der Selbstermächtigung sowie nach Funktionen von Körpervisualisierungen und -inszenierungen zur Schaffung politischer Handlungsräume.
Christina Wieder studierte von 2010 bis 2016 Geschichte und Romanistik an der Universität Wien und der Universidad de Buenos Aires. In ihrer Diplomarbeit befasste sie sich mit Exilerfahrungen im argentinischen Film während der Militärdiktatur (1976–1983) und der Redemokratisierung Argentiniens. Seit 2015 ist sie Mitarbeiterin des Schwerpunkts „Visuelle Zeit- und Kulturgeschichte“ am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien, u. a. des dort angesiedelten Forschungs- und Filmprojektes „Die Zweite Reihe des Wiener Filmexils“. Gemeinsam mit Univ.-Prof. Dr. Frank Stern und in Kooperation mit dem Filmarchiv Austria kuratierte sie die Reihe Film Noir Reloaded, die monatlich im Metro Kinokulturhaus stattfindet. 2016/2017 arbeitete Christina Wieder als Lehrbeauftragte am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien und war wissenschaftliche Mitarbeiterin des Oral-History-Projektes Geschichten von der Flucht des Audiovisuellen Archivs (AVA).