Making Sense of Glaciers. Zur Vermessung einer schmelzenden Welt
Gegenstand des Projekts sind die Materialität und komplexe Temporalität der Alpengletscher als »natürliche Medien historischer Topografien« (Thomas Elsaesser). Im Zentrum des Interesses steht die Frage, wie die Gletscher und ihr Verschwinden im doppelten Sinn ästhetisch werden. Konkret bearbeitet werden dafür drei Fallstudien: A) die Lineartafeln und Kartierungen von Louis Agassiz, der die Alpengletscher 1840 als wirkmächtige geomorphologische Akteure vorstellt; B) die fotogrammetrische Geodäsie Sebastian Finsterwalders, der die tiefenzeitlichen Bewegungsprozesse des Vernagtferner-Gletschers sichtbar zu machen versucht; C) die digitalen Oberflächenmodellierungen, deren Problem der Vermessung einer sich durch den anthropogenen Klimawandel stetig verändernden Topografie am Beispiel des Medienkünstlers Dan Holdsworth untersucht wird. Das Vorhaben lässt sich im größeren Kontext der medienphilosophischen Kulturtechnikforschung sowie im Rahmen jüngerer Diskussionen um Medienökologie und Ästhetik des Anthropozäns verorten.
Dominik Schrey ist seit März 2021 akademischer Rat am Lehrstuhl für Medienkulturwissenschaft mit Schwerpunkt digitale Kulturen an der Universität Passau. Zuvor war er unter anderem Postdoc an der Universität Freiburg und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), wo er 2016 mit einer Arbeit über Analoge Nostalgie in der digitalen Medienkultur promoviert wurde. 2011 war er Visiting Fellow im Ph.D. Program in Film and Visual Studies an der Harvard University. Seine aktuellen Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Medienökologie, Mediengeschichte und digitale Infrastrukturen. Neben seinem am IFK bearbeiteten Projekt zu Gletschertopografien arbeitet er an einer Mediengeschichte von »Smart Street Furniture«.