Gesellschaft als Übersetzung
Bachmann-Medicks Projekt arbeitet Ansätze der kulturwissenschaftlichen Übersetzungsforschung auf einer umfassenderen Ebene weiter aus: Entwickelt wird eine Neusicht von Gesellschaft als Übersetzungszusammenhang. Ausgangspunkt sind gesellschaftliche Schlüsselszenarien (Migration, Menschenrechtskontroversen, transkulturelle Kontakte, Disziplinenverflechtungen, Wechselbeziehungen von Wissenschaft und Kunst – insgesamt soziale »trading zones«). Übergänge, Bruchzonen und Kontextwechsel fordern hier Übersetzung als Analysekategorie heraus, aber auch als Handlungskategorie. Als gesellschaftskonstituierende Praxis ist Übersetzung erst über ein erweitertes, mehrpoliges Verständnis zu entfalten. Übersetzungsprozesse werden daraufhin untersucht, wie sie über den Rückbezug auf ein »Original« hinaus weiterführende gesellschafts- und handlungsorientierende Referenzbezüge eröffnen. Wird Übersetzung in der Gegenwart als Reflexionskategorie und Handlungsmodus gesellschaftlicher Vermittlungsverhältnisse unverzichtbar?
Doris Bachmann-Medick ist Literatur- und Kulturwissenschafterin und Senior Research Fellow am International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) der Universität Gießen. Gastprofessuren hatte sie unter anderem an den Universitäten Graz, Göttingen, UC Irvine, Cincinnati, Georgetown University/Washington, D.C., inne. Ihre Forschungsgebiete sind Kulturtheorie, Kulturwissenschaften, Literarische Anthropologie und Translation Studies.
31 Januar 2006
- ifk Research Fellow