Projektbeschreibung

The Material-Semiotics of Birth Violence. An Ethnography in Viennese Hospitals

Das Projekt befasst sich mit der materiellen Semiotik der Gewalt, die Frauen und Gebärende während der Geburt in Krankenhäusern erfahren, und beleuchtet die geburtshilflichen Pflegepraktiken sowie die Umsetzung medizinischen Wissens, die zu Gewalt führen können. Es ist als kritische feministische medizinische Ethnografie konzipiert und stützt sich auf Methoden wie teilnehmende Beobachtung, Interviews und Dokumentenanalyse. Basierend auf einem materiell-semiotischen Verständnis bietet das Forschungsprojekt einen genaueren Einblick in die Verflechtung (medizinischer) Praktiken und den am Geburtsprozess beteiligten Akteur*innen. Somit wird die Umsetzung medizinischen Wissens untersucht, um (1) zu verstehen, wie Geburt im Rahmen von Machtasymmetrien »gemacht« wird, (2) wie das medizinische Verständnis des Körpers während der Geburt in Pflegepraktiken umgesetzt wird und (3) wie wir das Geflecht von Gewalt im Zusammenhang mit Geburt verstehen können. Das Hauptziel besteht darin, die Typologien geburtshilflicher Gewalt zu erweitern und Geburtserfahrungen zu verbessern.

Lebenslauf

Elif Gül ist Sozialwissenschaftlerin und Sexualpädagogin. Sie arbeitet an der Schnittstelle von Gender- und Sexuality Studies sowie Wissenschafts- und Technikforschung und konzentriert sich derzeit im Rahmen ihres Dissertationsprojekts auf Gewalt bei der Geburt. Zu ihren Forschungsinteressen zählen feministische Technowissenschaft, Sexualitäten und Körper, Asymmetrien bei der Empfängnisverhütung sowie reproduktive Gerechtigkeit.

Elif Gül arbeitete im Bereich Gender Studies am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien unter der Betreuung von Professorin Dr.in Sabine Grenz. Sie absolvierte Forschungsaufenthalte an der Universität Basel und der Humboldt-Universität zu Berlin und arbeitete an der Universität Graz im Rahmen des Elisabeth-List-Fellowship »Reproduktive Gerechtigkeit: Queer und Trans* Reproduktion«.

Sie ist Redaktionsmitglied des Open Gender Journal, Vorstandsmitglied des Inter Gender Netzwerks und Gründungsmitglied des Vereins feministisch intersektionale Geburtshilfe und wurde 2025 mit dem Johanna-Dohnal-Förderpreis und einem Marietta Blau-Stipendium ausgezeichnet.

Publikationen
2026 
»Sexuelle und Sexualisierte Gewalt in der Geburtshilfe«, in: Handbuch sexualisierter Gewalt, Nomos [Forthcoming]
2025 
mit Sabine Grenz: »Geschlecht methodologisch: ›Wissen ist Macht!‹«, in: Eva Tolasch, Anna Buschmeyer, Sabine Grenz, Carolin Küppers, Geschlechtersoziologie, utB, 2025, S. 135–170.
2024 
mit Doris Leibetseder, »Reproduktive Normen und zeitliche Aspekte«, in: Isabella Marcinski-Michel und Claudia Wiesemann (Hg.), Reproduktion und das gute Leben. Intersektionale Perspektiven, Transcript 2024, S. 123–146.