Atem, Welt, Kosmos. »Plant Humanities« und die Übersetzung nordamerikanischen indigenen Denkens
Die Übersetzung nordamerikanischen indigenen Denkens im Werk der Potawatomi-Schriftstellerin und Biologin Robin Kimmerer situiert die Kosmogonie der Pflanzen, die unter, auf und über der Erde leben, im Herzen einer Kosmologie von Zugehörigkeit und Gegenseitigkeit. Auf der anderen Seite des Globus stellt Emanuele Coccia ausgehend von der einfachen Tatsache, dass Lebewesen atmen, weil es Pflanzen gibt, die »Frage nach der Welt« neu. Weil Pflanzen die Atmosphäre generieren, ist ihr Schaffen sowohl planetarisch als auch kosmogonisch. Das Forschungsvorhaben von Elisabeth Weber folgt der »epistemischen Unruhe« zwischen diesen «disparaten Wissenstraditionen» (H. Verran). Isabelle Stengers’ Begriff der Kosmopolitik und deren Gewichtung von »konstitutiven Divergenzen« bieten die methodologische Grundlage für die Zentrierung epistemischer Unruhe und der Schwierigkeit ihrer Übersetzung. Konkrete Fälle solcher Unruhe treten etwa in Verständnis und Praxis von Gegenseitigkeit und im Verhältnis zu Feuer hervor.
Elisabeth Weber ist Professorin für deutsche und vergleichende Literaturwissenschaften an der University of California, Santa Barbara. Außerdem lehrt sie im Fernstudiumprogramm für Strafgefangene am Interdisciplinary Humanities Center, UC Santa Barbara, und für das Scholars at Risk Network USA.