Spatial Translations. The Cartographic Imagination of Cold War Science Fiction (1957–1969)
Der Kalte Krieg verursachte eine räumliche Beklemmung, welche die westliche Imagination nachhaltig prägte: Der Beginn des Space Age fiel tatsächlich mit der globalen Ausbreitung einer unterirdischen, postapokalyptischen Bunkerimagination zusammen. Dieses topologische Zerwürfnis zwischen einem Blick nach oben, Richtung Himmel, und einem Blick nach unten, in die Tiefe der Erde, erzeugte eine »bipolare« Sicht auf die Erdoberfläche. Wie ich mit diesem Projekt zeigen möchte, ist diese räumliche Zerrissenheit als eine Art Spannung zwischen einem klaustrophilen und einem klaustrophobischen Verhältnis zum Raum zu verstehen. Diese Spannung lässt sich an der kartografischen Imagination der europäischen und amerikanischen Science-Fiction dieser Zeit gut veranschaulichen und erforschen. In Anlehnung an das Werk von David Seed und Fredric Jameson und anderen werde ich literarische Texte, Filme und Fernsehsendungen untersuchen, die ungefähr zwischen dem Start der Sputnik-Mission (1957) und der Apollo-11-Mission (1969) produziert wurden. Insbesondere werde ich darauf eingehen, wie diese Texte und Filme die geografischen Ängste, aus denen sie geboren wurden, neu kartiert und übersetzt haben.
Federico Italiano ist Senior Researcher am Institut für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Privatdozent am Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaften der LMU München. Er lehrt an den Universitäten Wien und Innsbruck und war zweimal Gastprofessor an der Universität Graz. Er ist außerdem Lyriker und Übersetzer.