Projektbeschreibung

Women’s Digital Grassroots in Illiberal Hungary

Dieses Projekt untersucht den digitalen Graswurzelaktivismus ungarischer Frauen, der Anfang der 2010er-Jahre im Zuge des Aufstiegs eines illiberalen Regimes nach dem parlamentarischen Erdrutschsieg der Partei FIDESZ im Jahr 2010 entstand. Es analysiert die Möglichkeiten und Grenzen digitalen Aktivismus – sowie allgemeiner die Nutzung sozialer Medien für demokratische Zwecke – unter solchen Bedingungen. Das Projekt argumentiert, dass die jüngere Forschung soziale Medien zwar zunehmend als Treiber demokratischer Erosion weltweit erkennt, solche Kritiken jedoch häufig die Bedeutung dieser Plattformen in Kontexten übersehen, in denen illiberale Akteur*innen die traditionellen Medien bereits dominieren, wie dies in Ungarn bis April 2026 der Fall war. Anhand des Fallbeispiels des digitalen Aktivismus ungarischer Frauen zeigt das Projekt, wie das Internet und insbesondere soziale Medien, vor allem wenn sie sich im Besitz von Unternehmen außerhalb staatlicher Kontrolle befinden, als alternative Öffentlichkeiten fungieren können, die demokratische Werte aufrechterhalten und politischen Widerstand unter illiberalen Regimen ermöglichen.

Lebenslauf

Györgyi Horváth (PhD, London School of Economics and Political Science) ist Wissenschaftlerin in den Bereichen Medien-, Literatur- und Geschlechterforschung. Ihre aktuellen Forschungsschwerpunkte liegen in den Feldern Medien und Gender, geschlechterbezogene Online-Sozialbewegungen sowie Journalismus. Bevor sie 2014 in die Medienwissenschaft wechselte und eine internationale Forschungslaufbahn einschlug, war sie in Ungarn als Literaturwissenschaftlerin tätig. Ihre wissenschaftlichen Arbeiten erschienen unter anderem bei Purdue University Press, L’Harmattan und Fairleigh Dickinson University Press sowie in Fachzeitschriften wie Feminist Media Studies, Journalism Practice und Hungarian Cultural Studies. Sie ist Autorin zweier ungarischsprachiger Forschungsmonografien, Utazó elméletek (Balassi 2014) und Nőidő (Kijárat 2007), eines Sammelbandes wissenschaftlicher Schriften sowie Mitherausgeberin zweier ungarischer literarischer Anthologien. Sie ist außerdem Trägerin des renommierten Edit Erdődy Research Award, der von der Ungarischen Akademie der Wissenschaften verliehen wird.

Publikationen
2026 
»Women’s digital grassroots in Hungary: new possibilities and limitations under illiberal rule«, in: Feminist Media Studies 26 (2026) (online first edition).
2023 
»News coverage of domestic violence in post-socialist Hungary: shifts in meaning and the gender aspect«, in: Journalism Practice 17 (2023), No 9, p 1980–1996.
2023 
»Internet memes and a female »Arab Spring«: mobilising online for the criminalisation of domestic abuse in Hungary, 2012–13«, in: Feminist Media Studies 23 (2023), No 3, p 819–835.
2016 
»The Cultural (Un)Turn in Hungarian Literary Scholarship in the 1990s: Strategies of Inclusion and Exclusion«, in: András Kiséry, Zsolt Komáromy, Zsuzsanna Varga (eds.), Worlds of Hungarian Writing. National Literature as Intercultural Exchange, Madison, NJ 2016, p 179–198.
2014 
Utazó elméletek. Angolszász politizáló elméletek kelet-európai kontextusban, Budapest 2014.