Extraterritorial Bildung: Adorno on Culture and Education
Das Projekt rekonstruiert das implizite Modell von Bildung, das die Schriften und Handlungen des Philosophen Theodor W. Adorno prägt. Das Hegel’sche teleologische Modell, wonach die gemeinschaftliche rationale Subjektivität in ihren gesellschaftlichen Institutionen durch Bildung Freiheit erlangt, wird im Lichte der Marx’schen Kritik an der spätkapitalistischen, ›integrierten‹ Gesellschaft und der sozialpsychologischen Charakterisierung ihrer entfremdeten Mitglieder verworfen. Vielmehr theoretisiert und exemplifiziert Adorno als in der Öffentlichkeit stehender Intellektueller praktisch ein alternatives, kritisches oder ›negatives‹ Modell, das mit partiellen Normen (aus verschiedenen Kulturen, historischen Ausformungen, Sprachen usw.) operiert, um die Fähigkeiten der Individuen zur kritischen Reflexion und sozialen Anerkennung zu stärken. Das Projekt stellt damit auch eine Verteidigung gegen den Vorwurf eines »normativen Defizits« in der frühen Kritischen Theorie dar.
Henry Pickford ist Professor für Germanistik und Philosophie an der Duke University. Sein Interesse gilt der modernen Philosophie und Literatur in deutscher und russischer Sprache, mit Schwerpunkt auf der deutschen philosophischen Tradition von Kant bis zur Kritischen Theorie. Er ist Autor von The Sense of Semblance: Philosophical Analyses of Holocaust Art; Thinking with Tolstoy and Wittgenstein: Expression, Emotion, and Art; Mitautor von In Defense of Intuitions: A New Rationalist Manifesto; Mitherausgeber von Der aufrechte Gang im windschiefen Kapitalismus: Modelle kritischen Denkens; Herausgeber und Übersetzer von Theodor W. Adorno, Critical Models: Interventions and Catchwords und Selected Early Poems von Lev Loseff; und Autor von über dreißig Essays und Aufsätzen. Derzeit ist er Mitautor des Buches Adorno: A Critical Life, Mitherausgeber des Oxford Handbook of Adorno und Herausgeber und Übersetzer von Adornos Graeculus: Selections from the Notebooks.