Mit Pflanzen denken: Möglichkeiten und Herausforderungen für Literary and Cultural Plant Studies
Pflanzen sind seit kurzem als eigenständige Forschungsobjekte der Geisteswissenschaften in den Blick geraten. Dies bringt zahlreiche disziplinäre Herausforderungen mit sich. Im Nachdenken über Pflanzen aus Sicht einer Literaturwissenschafterin werde ich mich folgenden Fragen widmen: Inwiefern lassen sich Begriffe und Terminologien sinnvoll von einer Disziplin in eine andere übersetzen (etwa von der Botanik in die Literatur- und Kulturwissenschaften und vice versa)? Was kann ein solcher Übersetzungsprozess leisten, was geht eventuell verloren? Welche Auswirkungen hat die neu entdeckte Aufmerksamkeit für Pflanzen auf die Literaturwissenschaft und ihre zentralen Arbeitsbereiche (z. B. Rhetorik, Poetik und Narratologie), und inwiefern ist ein produktiver Austausch mit den Naturwissenschaften möglich? Indem ich mich diesem Prozess der Wissensproduktion auf einer grundlegenden Ebene widme, hoffe ich auf fruchtbare interdisziplinäre Diskussionen in einem sich stetig erweiternden Forschungsfeld.
Isabel Kranz ist Literaturwissenschafterin, Autorin und Mitbegründerin des Literary and Cultural Plant Studies Network. Sie hat in Berlin, Erfurt, München und zuletzt in Wien geforscht und gelehrt. 2011 promovierte sie mit einer Dissertation über Walter Benjamins Passagenarbeit und veröffentlichte 2014 ein bibliophiles, mehrfach übersetztes Buch zur Sprache der Blumen. Sie forscht zum Verhältnis von Literatur und Botanik und publiziert darüber hinaus zu Themen wie Medien und Geschichtsschreibung, Zukunftsvorstellungen, Walter Benjamin sowie dem Genre des Memoir.