Daedala lingua, Lukrez auf den Fußspuren Epikurs in die Unendlichkeit
In einer Epoche kultureller Umbrüche, der ersten Phase der Latinisierung der Philosophie und dem Kollaps der römischen Republik, schrieb Lukrez sein Epos De rerum natura. In diesem Werk interpretierte der römische Dichter die materialistische Philosophie Epikurs. Obwohl er bei seiner Erkundung der „Natur der Dinge“ inhaltlich dicht den Fußspuren Epikurs folgt, verwandelte er dessen Diskurs über die Materie grundlegend: Die griechische und technische Prosa wird zur synästhetischen lateinischen Epik. Lukrez reagierte auf die Krise seiner Epoche mit seiner daedala lingua, d. h. seiner kreativen Sprache. Mein Projekt widmet sich dieser Transformation und will anhand einiger zentraler Motive des Epos – dem der Spur, des Zeichens und des Simulakrums – analysieren, wie Lukrez das Verhältnis von unendlicher Materie und endlicher Sprache in einem Zusammenspiel von Metapher und Begriff neu organisierte.
Jakob Moser studierte in Innsbruck, Lecce (Italien) und Wien Philosophie. Neben seinem Doktoratsstudium in Philosophie studiert er auch Romanistik an der Universität Wien und unterrichtet Latein und Italienisch im Lern-Quadrat Wien.
31 Januar 2022