Translated Culture? Habsburgische Wissenschaft als plurikultureller Raum
Im Projekt „Translated Culture? Habsburgische Wissenschaft als plurikultureller Raum“ untersucht Jan Surman die Gemeinsamkeiten habsburgischer Kultur(en) aus translatorischer Perspektive. Ausgehend von der These, dass die Monarchie einen dichten Kommunikationszusammenhang bildete, der durch die nationalisierten Kulturen im Laufe des 19. Jahrhunderts entflochten wurde, ohne aber aus den Alltagspraktiken zu verschwinden, skizzierte er anhand von Übersetzungen wissenschaftlicher und Bildungsliteratur die Konturen dieser gemeinsamen imperialen Semiosphäre (Jurij Lotman). Dieses Vorgehen ermöglicht eine Analyse der durch die sprachliche Übersetzung erfolgten Bedeutungsverschiebungen in den wissenschaftlichen Texten. Zudem macht Surman die trennenden und verbindenden Elemente der imperialen Wissenschaftergemeinschaft sichtbar, um die These zu unterstreichen, dass die habsburgische Wissenschaft als ein kulturell gemeinsamer Raum beschrieben werden kann.
Jan Surman studierte Soziologie und Geschichte an der Universität Wien und der Universität Paris-Sorbonne (Paris IV) und promovierte 2012 in Wien im Rahmen des Initiativkollegs „Die Naturwissenschaften im historischen Kontext“ mit der Arbeit Habsburg Universities 1848–1918: Biography of a Space. Von 2014 bis 2017 war er wissenschaftlicher Assistent am Herder-Institut, Marburg, und 2017 Gastwissenschafter am Max-Weber-Kolleg, Erfurt, sowie an der Higher School of Economics in Moskau. Er war von 2009 bis 2010 CAS/BMWF Research Fellow am Center for Austrian Studies der University of Minnesota; 2011 Visiting Scholar am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte. Zahlreiche Stipendien und Aufenthalte in Polen, Tschechien, der Ukraine und den USA (Princeton). Seine Forschungsschwerpunkte umfassen Intellektuellen- und Wissenschaftsgeschichte 19.–20. Jahrhundert mit Schwerpunkt Habsburgermonarchie bzw. Ost- und Ostmitteleuropa, Wissenschaft und Übersetzung, Geschichte der Wissenschaftssprachen.